Wie steht's um die Professionalität?

Merkwürdigkeiten bei Werbekampagne „Grüne Wiese“

Je länger und skurriler die Diskussion um die umstrittene altmärkische Werbekampagne „Grüne Wiese“ in diesen Tagen verläuft, desto mehr Merkwürdigkeiten treten zu Tage.

Diese Woche fand die Altmark-Zeitung also jenen Angler, der im Hintergrund des Slogans „Wenn Sie mal niemanden mehr sehen wollen“ die Rute in den Arendsee hält. Das Motiv sollte eigentlich in den nächsten Monaten bundesweit als Plakat für die Altmark Werbung machen. Nicht genug damit, dass es zweifelhaft ist, ob man so tatsächlich Touristen in unsere Region locken kann – der Angler wusste bis vor kurzem noch gar nichts von seiner Karriere als Werbestar. Denn die Kieler Agentur, die die 360.000 Euro teure Kampagne entworfen hat, hat den Betroffenen bislang gar nicht gefragt – weil sie ihn nicht kannte.

Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen. Da wird fast eine halbe Million Euro in die Hand genommen, damit eine Werbekampagne möglichst professionell umgesetzt wird. Und dann beschleicht einen schon vor dem eigentlichen Start des Projektes der leise Verdacht, dass es mit der Professionalität der Agentur vielleicht doch nicht so weit her sein könnte. Denn irgendwo in der Altmark irgendwelche Leute zu knipsen und die noch nicht einmal anzusprechen – das ist zum einen schon juristisch zweifelhaft. Denn immerhin gilt noch das Recht am eigenen Bild.

Und es wirft weitere Fragen auf. Wie weit haben sich die „Macher“ dieser Kampagne wirklich mit der Altmark auseinandergesetzt? Hat die Agentur aus dem fernen Schleswig-Holstein dieser Region vielleicht einen Stempel aufgedrückt, der gar nicht zu ihr passt?

Der einsame Angler jedenfalls steht keinesfalls am Arendsee, weil er niemanden sehen will. Im Gegenteil, er sei eigentlich ein geselliger Typ, verriet er die Altmark-Zeitung. Aber er wurde ja gar nicht erst gefragt...

Bevor man solche Stümperei teuer bezahlt, sollte man dann doch lieber zum guten alten Slogan „Wir stehen früher auf“ zurückkehren. Durch den fühlen sich zwar viele Altmärker veräppelt, weil sie nun wahrlich nicht freiwillig mitten in der Nacht aufstehen, sondern weil der weite Weg zur Arbeit das erfordert. Aber dieser Satz trifft wenigstens zu. Und er hat, das muss man anerkennen, sich auf der bundesweiten „Bekanntheitsskala“ auf Platz zwei vorgearbeitet. Gleich hinter Baden-Württembergs „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare