Übersterblichkeit von 163 Prozent in Kalenderwoche 52

Übersterblichkeit in Stendal: Meiste Corona-Todesfälle im Dezember

Landrat Patrick Puhlmann (SPD) und Amtsärztin Dr. Iris Schubert äußern sich erneut zu den Sterbefällen im Landkreis Stendal. Foto: Hartmann
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Landrat Patrick Puhlmann (SPD) und Amtsärztin Dr. Iris Schubert äußern sich erneut zu den Sterbefällen im Landkreis Stendal.
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Stendal – Bei der erneuten Corona-Pressekonferenz des Landkreises ging Landrat Patrick Puhlmann (SPD) erneut und deutlich auf Distanz zu Corona-Leugnern. Diese hätten nach der Konferenz am 12.

 Januar Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen und so für ihre Ziele entfremdet, erklärte der Landrat in seiner gestern verlesenen Mitteilung. „Der Landkreis Stendal distanziert sich deutlich von jeglicher missbräuchlicher Verwendung der Aussagen zur Verharmlosung des Corona-Viruses beziehungsweise der Situation im Landkreis Stendal. “.

Auch Amtsärztin Dr. Iris Schubert nahm der Landrat in Schutz. Sie sei nunmehr seit „über zehn Monaten ununterbrochen im Einsatz“, stellte Puhlmann klar. Das tue sie, um mit den vorhandenen Mitteln mit einer Krise umzugehen, wie sie vor einem Jahr noch kein Landkreis, Bürger oder Gesundheitsamt für möglich gehalten hätte.

„Die angespannte und lang andauernde Pandemielage verschlingt sehr viele Ressourcen. So auch meine Ressourcen“, sagte Schubert. Das Arbeitspensum sei seit Monaten kaum zu bewältigen. Sie und ihr Team arbeiteten stets am Limit. „Sie können sicher verstehen, dass die nervliche Anspannung deshalb auch Äußerungen verzerrt“, erklärte sie zur vorherigen Konferenz. Deshalb sei es um so wichtiger, dass alle an einem Strang ziehen, um die Pandemie schnellst- und bestmögliche zu überwinden und menschliches Leid da zu verhindern, wo es möglich sei. Ihre amtsärztliche Tätigkeit erfordere sachliches, analytisches und faktisch bezogenes Arbeiten, um der Lage adäquate Maßnahmen entgegenzusetzen. „Meine Empathie für alles damit verbundene menschliche Leid darf meinen Blick auf das Gesamtgeschehen nicht beeinflussen“, führte sie weiter aus. Dass ihre Formulierungen eher pragmatisch wirkten, sei wichtig, um das Gesamtziel – die Gesundheit im Landkreis Stendal – nicht außer Augen zu verlieren.

Fälschlicherweise habe sie in der vorherigen Konferenz bei ihrer Auflistung zu Todeszahlen im Landkreis auf Nachfrage das Jahr 2020 bejaht. Diese Zahlen lagen jedoch noch nicht vor, lediglich Hochrechnungen waren verfügbar. Gemeint waren die Zahlen von 2019.

Mittlerweile habe das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt in einer Pressemitteilung jedoch Zahlen zur Übersterblichkeit bekannt gegeben: In der 51. Kalenderwoche lag sie bei 55 Prozent. In der 52. sogar bei 163 Prozent. Im Vergleich zu Dezember 2019 mit 143 Todesopfern starben im Dezember 2020 194 Personen im Landkreis Stendal. Diese Zahlen könnten sich jedoch noch ändern. Denn die Sterbefälle von Dezember 2020 könnten im Februar noch von den Standesämtern an die Gesundheitsämter als Überhang gemeldet werden. Nach aktuellem Stand gebe es, auf das gesamte Jahr gerechnet, keine Übersterblichkeit im Landkreis. Sowohl 2019 als auch 2020 starben 1611 Menschen.

Die Ursachen seien noch nicht wissenschaftlich gesichert. Das Statistische Bundesamt erklärte für August eine erhöhte Zahl Gestorbener im Zuge einer Hitzewelle, erläuterte Schubert. Eine besondere Herausforderung in der derzeitigen Pandemie sei es, dass viele Ältere mit multiplen Vorerkrankungen betroffen waren. „Der wissenschaftlichen Ausarbeitung der Ursachen der Übersterblichkeit im Landkreis Stendal sehe ich daher mit Interesse entgegen.“

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