Mehr wild entsorgter Müll in Stendal

Pandemie hinterlässt Flecken

Eine ausgediente Maske liegt auf einer Bank am Westwall in Stendal.
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Ein Relikt dieser kranken Zeit: Eine Schutzmaske, vergessen oder nicht, liegt auf einer Bank am Westwall in Stendal. Mehrere Dutzend Masken lesen Stadtmitarbeiter täglich auf.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Seit Jahren ist der Mönchskirchhof in Stendal als Schmuddelecke bekannt. Wild und illegal entsorgter Müll haben dort und an anderen Stellen in der Pandemie noch einmal zugenommen. Vermehrt landet Hausmüll in den Behältern. Und: Stadtmitarbeiter sammeln täglich Dutzende Schutzmasken auf.

Stendal – Die Pandemie hinterlässt ihre Spuren im Stadtbild. Alte Masken landen auf Straßen, Wegen und Plätzen, wo ausgediente Plastikhandschuhe von vor Monaten mitunter noch liegen. In den öffentlichen Müllbehältern stecken Massen verschiedenster Art, die dort einfach nicht hineingehören. „Insgesamt ist das Aufkommen an illegal entsorgten Abfällen größer geworden“, schätzt Stendals Rathaussprecher Armin Fischbach auf Anfrage der AZ ein. „In den Papierkörben finden sich häufiger Haushaltsabfälle, Biomüll und Verpackungsmaterial. Möglicherweise ein unschöner Begleiteffekt des Lockdowns, da die Menschen mehr zu Hause sitzen und dort zwangsläufig mehr Müll produzieren. Zudem werden im Stadtgebiet täglich etwa 40 bis 50 gebrauchte Masken eingesammelt.“

Schon seit Jahren immer wieder einmal und auch ohne Corona ist der Mönchskirchhof in Stendal eine Schmuddelecke. Die Stadtmitarbeiter schauen genau hin.

Wie viel Müll von daheim unerlaubt nach außen getragen wird, kann Fischbach noch nicht in einer Zahl ausdrücken. Doch das Problem sei schlichtweg unübersehbar. Und: Weil Essensanbieter nicht oder nur eingeschränkt öffnen dürfen, sind Mitnehmangebote an der Tagesordnung. „Es ist ein überdeutlicher Anstieg an Verpackungsmaterial aus Angeboten to go zu verzeichnen. Kaffeebecher, Pappboxen, Alufolie, die ganze Palette. Deshalb mussten die Leerungsfrequenzen für die Papierkörbe in bestimmten Bereichen, wie etwa in der Innenstadt, am Mönchskirchhof oder in der Arneburger Straße, erhöht werden.“ Alles müsse entsprechend von der Stadt aufgelesen und entsorgt werden, Masken und weitere Schutzutensilien übrigens über den Haus- beziehungsweise Restmüll.

Bis zu 50 Masken fallen täglich an

Dabei scheint das Pensum der Stadtmitarbeiter schon groß genug. Die Zahl der Korbentleerungen summiert sich in einem normalen Jahr auf etwa 37 000. Kollegen des Bauhofes und Vertreter beauftragter Dienstleistungsunternehmen packen an. Wie stark die Entleerungszahl im Coronajahr 2021 letzten Endes ansteigen kann, bleibt noch abzuwarten. Schon bislang fallen im Jahr ungefähr 90 Tonnen Müll an, den die Stadt aus Behältern und eben auch von Straßen und Plätzen holt. Die Personalkosten liegen bei circa 26.500 Euro, externe Dienstleister bekommen an die 29.500 Euro, die Ausgaben für die Entsorgung betragen annähernd 12.500 Euro. Jeder zusätzliche Einsatz kostet zusätzlich Geld. Eigentlich eine ganz einfache Rechnung, findet Fischbach.

Hausabfall, Einweg und das Steuergeld

„Auch wenn es ein frommer Wunsch ist: Es wäre schön, wenn illegale Müllablagerungen im Stadtgebiet und den Randlagen unterbleiben würden. Verpackungsabfälle von Imbissangeboten gehören in die Papierkörbe und nicht in die Grünflächen oder auf Gehwege. Hausmüllabfälle haben wiederum nichts in den öffentlichen Papierkörben zu suchen.“ Und natürlich und noch einmal: „Alle im Zusammenhang mit illegaler Abfallentsorgung und Verschmutzung erforderlichen Maßnahmen belasten den Steuerzahler und verhindern durch die Bindung von Personal und finanziellen Mitteln andere Maßnahmen und Projekte.“ Jeder Haushalt könne seinen Müll ordnungsgemäß entsorgen, der Blick in den Abfallkalender der ALS-Gesellschaft helfe schon weiter.

Und ja, obwohl Corona vieles ändere und auch unter diesem Aspekt einiges nicht stattfinden könne, habe die „gesamte Stadt bereits ein deutliches Zeichen gesetzt“. Gemeint ist der Frühjahrsputz in der Woche vor Ostern. „An der Aktion haben sich neben städtischen Mitarbeitern zahlreiche Bürger über die Freiwilligen-Agentur Altmark beteiligt und illegal entsorgte Abfälle eingesammelt, die der Bauhof danach aufgenommen und zur Abfallannahme- und Umladestation gebracht hat“, erinnert der Stendaler Rathaussprecher. Fünfeinhalb Tonnen Hausmüll und 52 Altreifen kamen an diesen Tagen zusammen. „Das Engagement der Bürgerinnen und Bürger sowie die gute Zusammenarbeit mit diversen Organisationen hat uns sehr erfreut und auch positiv überrascht.“

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