Denkmalschutz soll ein Licht aufgehen

Mehr Leben im Stadttor: Stendaler Ehrenbürger unterstützt Ausstellungsidee

Das Licht schaltet sich bei Dämmerung an, später wieder aus und geht frühmorgens noch einmal an.
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Das Licht schaltet sich bei Dämmerung an, später wieder aus und geht frühmorgens noch einmal an.

Stendal – „Ein Denkmal ist schön und gut. Wenn wir es aber nicht nutzen, dann frage ich mich, warum wir es schützen. “ Prof. Hans-Jürgen Kaschade unterstützt die Forderung nach einer stärkeren Öffnung des Tangermünder Tores in Stendal.

„Man verändert ja die Außenhaut des Denkmals nicht. Und wenn eine höhere Besucherzahl wirklich die klimatischen Bedingungen verändert, Luftentfeuchter gibt es sogar im Baumarkt“, meint der 79-Jährige spitz.

Husarenverein und Mitstreiter wollen im oberen Bereich des Tores ständige Ausstellungen über die Militärgeschichte und die historische Pferdebahn einrichten.

Prof. Hans-Jürgen Kaschade, Niedersachse in Stendal.

Politik und Verwaltung mögen sich einen Ruck geben. „Wenn man Denkmäler nicht wie selbstverständlich für den Menschen einsetzt, können wir uns gleich alle konservieren.“ Stendal brauche schlichtweg mehr Angebote, um bei Touristen stärker zu punkten. Davon ist Prof. Kaschade, seit 2017 Ehrenbürger der Stadt, fest überzeugt. Und ja, natürlich könne eine solche Anerkennung durch Gäste auch Identität und Wirgefühl der Stendaler fördern. Die Hanse- und Rolandstadt habe sich so einiges an Kulturgut erhalten und bewahrt. Es ansprechend in Szene zu setzen und zu nutzen, das sei die Kunst.

Auf besondere Weise ins Licht gerückt wird das Tangermünder Tor seit einigen Monaten mit Dämmerung. Der renommierte Lichtgestalter Herbert Cybulska zeichnet für das Konzept verantwortlich. Das Projekt der Kaschade-Stiftung war mit 20 000 Euro veranschlagt, am Ende sind es 30 000 Euro geworden. Die Leuchtkörper sollen möglichst lange leben und wenig Strom verbrauchen. Die Kaschade-Stiftung bezahlte gut eine Hälfte der Rechnung, die andere übernahmen mehr als ein Dutzend Unternehmer und weitere Unterstützer, darunter die Kreissparkasse. Auch die Stadt half beim Einbau der funktionalen Lichtkunst.

Eine Tafel am Tor soll nicht zuletzt über das Lichtprojekt und die Pferdebahn informieren, ein restaurierter Wagen ist im Bogen untergestellt. „Die Stiftung ist bereit, weitere Projekte zu unterstützen, wenn sie die Stadt voranbringen“, sagt Prof. Kaschade der AZ und weist bei dieser Gelegenheit schon einmal auf die 5. Lichttage vom 17. bis 19. Oktober hin. Prof. Kaschade hatte die Idee, die Premiere 2015 hatte noch Kinderkrankheiten. Inzwischen sei selbst er zufrieden und der Besucher sowieso. Die Installationen konzentrieren sich dieses Jahr auf den Justizkomplex Albrecht der Bär und einen Straßenzug gegenüber.

„Auf Wunsch der Stadt soll es die Lichttage noch bis 2022 geben.“ Dann feiert Stendal seine 1000 Jahre Geschichte. 2020 werden Jacobikirche und Classic Garagen den Schwerpunkt bilden, im Jahr darauf Kreissparkasse und Gewerbeflächen an der Arneburger Straße, 2022 Marienkirche und Marktplatz. Die Lichttage mit Tausenden Besuchern kosten jährlich bis zu 45 000 Euro. Die Kaschade-Stiftung übernimmt mehr als 50 Prozent, künftig sollen es an die 25 Prozent sein und der Anteil der Spenden möge weiter wachsen. Die Finanzierung auch für die kommenden Auflagen sei bereits so gut wie in trockenen Tüchern.

Im nächsten Sommer feiert Prof. Kaschade seinen 80. Geburtstag. Er lebt mit seiner Frau Hermine im niedersächsischen Hohenvolkfien, in Stendal hat er eine Wohnung. Von Hause aus ist er Sozialpädagoge und Sonderschullehrer. Der Norddeutsche baute die Hochschule in Magdeburg auf und war Gründungsrektor in Stendal. Dass der Standort in der Altmark nicht eigenständig wachsen durfte, es dürfte ihn noch heute wurmen. „Seit 1998/99 bin ich so richtig mit dieser Stadt verbunden.“ Prof. Kaschade war später unter anderem Geschäftsführer des Gründerzentrums BIC in Stendal. Die Stiftung nahm 1995 ihre Arbeit auf.

VON MARCO HERTZFELD  

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