Hausverwalter wendet sich an Paritätischen

Stendal-Süd: „Es ist mehr campen als wohnen“

+
Noch elf Mieter wohnen in den Raks-Blöcken, einige sind nach einem Aufenthalt im Obdachlosenheim wieder zurückgekehrt. Mitarbeiter des Paritätischen werden sich nun einen Überblick über die Bewohner verschaffen und versuchen, Umzüge zu realisieren.

Stendal. „Ich kann mir vorstellen, dass es schwierig wird“, sagt Andrea Belitz vom Paritätischen zu der möglichen Umquartierung der noch vorhandenen Mieter in Stendal-Süd.

Nur noch ein knappes Dutzend Menschen harrt laut Hausverwalter Lothar Nehring noch in den Blöcken der Raks-AG aus. Der Eigentümer hat Schulden in sechsstelliger Höhe bei der Stadt und den Stadtwerken. Nachdem etappenweise Flurlicht, Klingeln, Heizung und Trinkwasser abgestellt worden waren, haben fast alle Betroffenen den Umzug bewerkstelligt.

„Von elf Mietern sind zwei aus dem Obdachlosenheim wieder nach Süd zurück gekommen“, so Lothar Nehring im AZ-Gespräch, „obwohl die von der Raks-AG eine fristlose Kündigung bekommen haben“. Für den Rausschmiss seien „erhebliche Mietschulden“ verantwortlich gewesen. Die zwei Mieter, ein Mann und eine ältere Dame, hätten einfach den Schlüssel nicht abgegeben, den Winter im Obdachlosenheim verbracht, und seien nun wieder in den zum größten Teil leer stehenden Blöcken zu Hause.

Problematisch ist laut Nehring weiterhin, dass solche Mieter zum Teil nicht beim Einwohnermeldeamt geführt sind. Nehring hat bereits im vorigen Jahr mit dem Paritätischen zusammengearbeitet.

„Er ist an uns herangetreten. Wir waren in diesem Jahr noch gar nicht draußen“, informiert Andrea Belitz. Dafür habe einfach keine Notwendigkeit bestanden. „Wir werden uns einen Überblick über die noch vorhandenen Mieter verschaffen und dann mit den Wohnungsbau-Gesellschaften und Vermietern in Stendal telefonieren“, so die Mitarbeiterin des Paritätischen. Seien keine Wohnungen verfügbar oder handele es sich um den Unternehmen bekannte Mietschuldner, könne der Paritätische nichts mehr tun.

Lothar Nehring kennt seine Mieter. „Einer von denen hat mal mit einem Fahrradsattel nach mir geworfen. Aber das ist ja Durchschnitt hier“, so der Hausverwalter, der Vorfälle dieser Art mit Humor nimmt. Auch Andrea Belitz weiß: „Viele haben eine Vorgeschichte.“ Und manche Mieter würden sich auch weiterhin nicht überzeugen lassen und weiter in den kargen Blöcken ausharren. „Es ist ja mehr campen als wohnen da draußen“, fasst Belitz die Wohnsituation zusammen.

Von Mike Höpfner

Kommentare