Linde vor Patientenparklatz: Hausbesitzer findet Arneburger Barrierefrei-Wettbewerb „peinlich“

„Mehr Besucher als im Rathaus“

Bald kommt der Bauhof: Mehr als 2000 Patienten zählt Arneburgs einzige Arztpraxis an der Lindenstraße Quartal für Quartal. Eine anscheinend erkrankte Linde behindert nach Meinung des Hausbesitzers die Zufahrt zum Patientenparkplatz.

Arneburg. „Wenn Arneburg im Landeswettbewerb ,Auf dem Weg zur barrierefreien Kommune’ einen Preis bekommt, dann werden wohl bald alle Autos rückwärts fahren“, kritisiert Otto Garz.

Der Ärger des Hausbesitzers an der Lindenstraße richtet sich gegen eine Linde, „die zwei von vier Parkplätzen vor der einzigen Arztpraxis in dieser Stadt blockiert“.

Laut Garz handele es sich bei der offensichtlich gründlich beschnittenen Linde nur noch um „den kläglichen Rest eines Baumes“. Aktuell zeigen sich im Laub krankhaft wirkende Braunverfärbungen. Die Linde stehe schon seit mehr als 20 Jahren. Mehrere Versuche habe Garz bereits unternommen, den Baum fällen zu lassen. Und er beteuert: „Ich will nichts von der Stadt verschenkt haben.“

Dass die Elbestadt dank ihres Wettbewerbsbeitrags nun größeres Augenmerk auf Barrierefreiheit lege und plant, auch das Rathaus mit einem hindernisfreien Zugang auszustatten, begrüßt der Lindenstraßen-Anwohner (die AZ berichtete). Doch er fragt: „Wer hat mehr Besucher, die Arztpraxis oder das Rathaus?“ In die Praxis von Garzs Ehefrau, der einzigen Allgemeinmedizinerin in Arneburg, kämen jedenfalls mehr als 2000 Patienten im Quartal. „Dieser Baum und der Preis, das verträgt sich nicht“, findet der Hausbesitzer. Garz nennt die Linde „Krüppel“ und betont: „Hierher kommen alte, kranke Menschen.“ Und andere Orte kämpften darum, überhaupt einen Arzt im Ort zu haben.

„Bisher hat sich noch kein Bürger beschwert, dass er nicht in die Arztpraxis kommt“, erklärt Ordnungsamtsleiter Karsten Rottstädt der AZ. Die Linde befinde sich in Eigentum der Stadt Arneburg. Und es entscheide der Bauhof der Stadt, ob Bäume gefällt werden. In der nächsten oder übernächsten Woche stehe wieder eine „routinemäßige Überprüfung“ der Bäume der Stadt an. Schon im Oktober beginne die nächste Fällzeit. Auch die Lindenstraße werde überprüft. „In der Lindenstraße stehen nun mal Linden“, fügt der Amtsleiter hinzu.

Otto Garz findet aber, dass es nicht ausreichend sei, nur die Straßen rund um das Arneburger Rathaus weitgehend barrierefrei zu gestalten. Von „diesem Geeiere“ habe er jedenfalls die Nase voll. Und die Linde vor seiner Haustür „die hält den Klimawandel nun auch nicht mehr auf“, schimpft der Arneburger. „Mit dem Ding vor den vom Staat geforderten Parkplätzen einer Arztpraxis ist jeder Preis eine Lachnummer und einfach nur peinlich“, gibt Garz die Hoffnung auf eine baldige Lösung nicht auf.

Von Antje Mahrhold

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare