Um Mediziner-Nachwuchs werben

Antik-Dogge „Baron“ wird von Dr. Michael Alt in seiner Praxis in Seehausen untersucht. Die tiermedizinische Fachangestellte Heike Wintrich assistiert dabei. Michelle redet ihrem Baron beruhigend zu.

Stendal - Von Berit Boetzer. Der Altersdurchschnitt praktizierender Tierärzte im Landkreis liegt bei 54 Jahre. „Wir überaltern“, folgerte Dr. Thoralf Schaffer. Der Amtstierarzt berichtete über Aktuelles und Trends im Kreis-Wirtschaftsförderungsausschuss.

Aufgelistet für den Landkreis Stendal sind 63 Tierärzte, verteilt auf 37 Niederlassungen und ebenso existieren 39 tierärztliche Apotheken. Zahlen und Fakten lieferte Dr. Thoralf Schaffer, der als Amtstierarzt des Landkreises sachkundig Aussagen zum Berufsstand machte. In 80 Prozent der Niederlassungen wirken Einzelkämpfer, in vier Praxen arbeiten jeweils zwei Ärzte und nur eine Anlaufstelle ist mit drei Tiermedizinern besetzt. Das Gros der Praktiker fällt in den Altersbereich zwischen 40 und 45 Jahre. Der Schnitt liegt bei 54 Jahre. Das Überaltern wertete Schaffer als eine „kleine Katastrophe“. Neun noch tätige Tierdoktoren zählen mehr als 65 Lenze und sogar drei sind älter als 75 Jahre.

Praxen mit dem Schwerpunkt Kleintiere gibt es vier. Aber auch in allen anderen Niederlassungen werden Hamster, Katze, Hund & Co. behandelt. Wie der Amtschef erklärte, werden sich zukünftig immer mehr in Richtung Kleintier orientieren. Einfach ob der Vorteile: Oft ist nur ein Raum nötig, die körperliche Anstrengung und das Unfallrisiko gering, der Arzt muss nicht fahren und die Zahlungsmoral der Hilfesuchenden ist gut. Meist werden Rechnungen gleich bar beglichen. Zudem gebe es bei den kleinen Patienten einen hohen Anteil von tierärztlichen Dienstleistungen, die sich berechnen lassen. Die allgemein schlechte Finanzsituation ist auch bei den Tierärzten spürbar. Besitzer von großen Vierbeinern sind selbst nicht liquide, können Arztrechnungen dann auch nicht bezahlen. Ein weiteres Problem: Mangel an jungen veterinärmedizinischen Fachkräften. Auch, dass in einen absolut männlich dominierten Berufsstand immer mehr Frauen drängen, ist nicht unbedingt eine erfreuliche Entwicklung. Die Arbeit als Tierarzt sei oft körperlich anstrengend. Schaffer nannte etwa die Geburtshilfe, ein Kälbchen kann schon stolze 50 Kilogramm auf die Waage bringen. Er wusste, dass im aktuellen fünften Studienjahr in Hannover von 275 Studenten gerademal 13 männlich sind. Auch die Arbeitssituation der jungen Absolventinnen ist ihm bekannt: ein Drittel arbeitet gar nicht, ein Drittel in Teil- und der Rest in Vollzeit. Schaffer wollte nicht nur Negatives berichten, vielmehr für zukünftiges Agieren sensibilisieren. Es bedarf ein Mehr an tierärztlichen Pratikumsstellen für Studenten und „wir müssen den jungen Leuten den Landkreis Stendal schmackhaft machen“. Zudem eifrig für den Berufsstand werben. Auch die Entscheidung für Praxen mit zwei oder drei Medizinern sei ein Schritt in die richtige Richtung.

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