Horrende Spritpreise verärgern Autofahrer

Markus Mörl hat’s gewusst

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Jörg Gierkes Blick beäugt kritisch die Zapfsäulenanzeige. Seitdem der Sprit so teuer ist, setzt er auf den „Biosprit“ E10, um noch ein wenig Kosten sparen zu können.

Stendal. Markus Mörl eröffnete deutschen Autofahrern schon 1982 in seinem Nummer-1-Hit „Ich will Spaß“ eine Horrorvision, denn dort heißt es: „Und kost’ Benzin auch drei Mark zehn, scheißegal, es wird schon geh’n, ich will fahr’n, ich will fahr’n, ich will fahr’n.

“ Über das, was Mörl vor 30 Jahren noch als Horrorvision besang, würde sich heutzutage so mancher Autofahrer freuen, ein Liter Bezin für gut 1,55 Euro - ein guter Preis. Doch dem ist nicht so. Die Preise an den Stendaler Tankstellen bewegen sich um die 1,68 Euro, mal einen Cent mehr, mal einen Cent weniger. Das frustriert die Autofahrer wie den Stendaler Frank Jonas (34). Er tankt an diesem Morgen nur für 10 Euro, der Spritpreis ist ihm einfach zu hoch. Jonas muss tanken, schließlich fährt er werktags immer nach Wolfsburg zur Arbeit. Ein Berufspendler, der täglich 180 Kilometer mit seinem Golf zurücklegt. 450 Euro kostet ihn der Sprit für diese Fahrten im Monat. Ich hatte schon überlegt, auf Autogas umzusteigen, aber das lohnt sich bei dem alten Auto nicht mehr. Deshalb werde ich den Benziner so lange fahren, bis er auseinanderfällt“.

Wenige Meter weiter, an einer anderen Tankstelle schaut der 47-jährige Stendaler Jörg Gierke auf die Zapfsäule. „Jetzt bin ich auf Reserve, jetzt muss ich tanken, die 30 Euro, die ich dafür ausgebe, reichen für zwei Wochen.“ Gierke fährt nicht viel mit seinem Auto, es ist schlichtweg zu teuer. Bis vor kurzem ist Gierke auch immer nach Wolfsburg zur Arbeit, genauer gesagt zur Montage gefahren. Aber mit dem Zug, das sei günstiger, so der Stendaler. Mit den hohen Benzinpreisen habe sich aber noch etwas bei seinem Tankverhalten geändert, erklärt Gierke: „Ich tanke jetzt E10“. Das ist auch eine Möglichkeit, die Kraftstoffkosten für das eigene Auto etwas zu senken, schließlich ist der Biosprit gut drei Cent pro Liter günstiger. Allerdings vertragen nicht alle Autos den chemisch aggressiven Kraftstoffmix und müssen so weiter das herkömmliche, teure Superbenzin tanken.

Die hohen Preise jedoch lägen an der Politik, sagt Frank Hertzschuch, Tankstellenpächter der Stendaler Agip-Tankstelle. Die Steuern auf einem Liter Benzin würden mittlerweile fast einen Euro betragen. Zuerst würde die Mineralölsteuer aufgeschlagen und dann, so der Pächter, würde das Benzin nochmal mit der Mehrwertsteuer belegt. Als Tankstellenpächter würde man die Preise natürlich auch gerne möglichst niedrig halten, damit die Kunden mehr tanken. Dennoch seien die Tankstellenbetreiber immer regelmäßig die Buhmänner für die verärgerten Kunden. Doch der Markt bestimme die Preise. Dem Pächter selbst bleibe mitunter nur ein Cent Gewinn an einem verkauften Liter Benzin. Durch die Vergleiche mit der Konkurenz würden sich die Preise manchmal täglich mehrfach ändern. Mittlerweile sei der Sonntag immer ein Tag, wo zumeist günstigere Kraftstoffpreise auf die Kunden warten, bis Mitte Februar war dies eher montags der Fall.

Einer seiner Kunden hat sein Auto gerade in die Waschanlage gefahren, tanken will der 72-jährige Jürgen Müller nicht. Das habe er am Montag getan, in Brandenburg für 1,61 Euro. „Ich tanke immer da, wo es günstig ist“, verrät der Rentner aus Stendal. Als er am Montag tankte, kam er gerade aus dem Flieger von Berlin, Müller hatte sich einen Urlaub auf Zypern gegönnt. Dort auf der Insel, berichtet er, kostete der Liter Benzin nur 1,37 Euro. Das seien Preise, die noch zu verkraften wären, bei den 20 000 Kilometern, die er jährlich mit seinem Wagen zurücklegt. Die meisten Einnahmen haben die Tankstellen seit Jahren durch den Verkauf von Waren im Shop, berichtet Shell-Tankstellenpächter Jürgen Präbke. Von dem Spritverkauf könne eine Tankstelle sich nicht halten. Zwar würden täglich rund 10 000 Liter Kraftstoff verkauft, aber bei einem Cent Gewinn sei das nicht viel. Viermal am Tag werden die Preise der Tankstellen in Stendal untereinander verglichen und werden dann in eine Rechenzentrale nach Hamburg gesendet. Von dort aus werde dann vollautomatisch der Preis bestimmt, so Präbke. Morgens seien die Preise meist niedriger, im Gegensatz zu abends, wo die Preisschraube in der Regel noch einmal ab 21 Uhr angezogen werde. Trotz der momentan hohen Spritpreise ist der Absatz beim E10-Kraftstoff nicht größer geworden, da viele Autofahrer dem „Biosprit“ nicht vertrauten, so Präbke. Er selbst rät allen Fahrern zu einer vorausschauenden und vernünftigen Fahrweise, um Kraftstoff zu sparen. zudem sei die Verwendung von Kraftstoffen mit Additiven , also Zusatzstoffen, wie sie bei vielen Markentankstellen und auch einigen freien zu finden sind, oftmals spritsparender.

Von Oliver Nowak

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