Chancen und Problemstellen

Stendal: „Man kapselt sich ab“ - Homeoffice bleibt Streitthema

Trotz Lockdown weiterhin gut besucht: Die Stendaler bevölkern ihre Fußgängerzone, auch wenn viele Geschäfte aktuell geschlossen sein müssen.
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Trotz Lockdown weiterhin gut besucht: Die Stendaler bevölkern ihre Fußgängerzone, auch wenn viele Geschäfte aktuell geschlossen sein müssen.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Mit der erneuten Verlängerung des Lockdowns stellt sich für viele Menschen auch die Frage, ob sie von Zuhause aus arbeiten können – oder wollen. Auch ein erweitertes Recht auf Homeoffice ist im Gespräch.

Stendal – Dabei stellen sich viele Fragen. Wie können die sich daraus ergebenden Chancen genutzt werden? Was bedeutet es für die Arbeitsabläufe, wenn sich die Kollegen nicht mehr täglich über den Weg laufen? Bietet es die Chance, sich einen Wohnort auszusuchen, der vorher wegen des zu langen Arbeitsweges nicht praktikabel war?

Auch vor dem Stendaler Rathaus macht die Möglichkeit, Homeoffice zu beantragen nicht halt, wie Stadtsprecher Armin Fischbach, der wie viele Stendaler am Samstagvormittag in der Fußgängerzone unterwegs war, erklärt. Das Rathaus habe bereits mehrere Laptops bestellt, um seinen Mitarbeitern die Möglichkeit zu eröffnen und die bestehenden Wünsche zu erfüllen, berichtet er. „Ich befürworte Homeoffice“, sagt er – einen Antrag habe er bereits gestellt. Für ihn persönlich käme dann möglicherweise ein Wohnortwechsel in Frage.

Ein wenig skeptischer ist der Handwerker Maik Heller aus Magdeburg. Wegen seines Berufes sei es ihm ohnehin nicht möglich von Zuhause aus zu arbeiten, aber auch für andere Berufsgruppen hat er seine Zweifel. Sicher dürfe man sich der Digitalisierung nicht verschließen, aber sich nicht zu begegnen erschwere auch den Austausch von Meinungen. „Man kapselt sich noch weiter ab“, erklärt Heller. Zu viel Homeoffice könne dazu führen, dass man sich noch stärker in den eigenen vier Wänden „einkaserniert“.

Auch Franziska Schütz vom DRK ist nicht gänzlich vom Homeoffice überzeugt. Ihr selbst sei es auch bereits angeboten worden, jedoch habe sie unter anderem wegen ihres kurzen Arbeitsweges von knapp 800 Metern davon abgesehen. Außerdem sei sie auf der Arbeit gerne mit ihren Kollegen zusammen – das würde ihr bei einem dauerhaften Homeoffice fehlen. Vorteile hätte es jedoch, wenn die Arbeitszeiten flexibler gestaltet würden. „Das müsste dann natürlich für alle Arbeitgeber gelten“, stellt sie fest. Eine Möglichkeit sei es jedoch beispielsweise vier Arbeitstage in der Arbeit zu haben. Gerade bei Berufen mit dem klassischen „kurzen Freitag“ könne dann ein Tag Homeoffice gut funktionieren. Ihre Arbeit weiterzumachen, aber sich trotzdem ein Haus mit Meerblick zu gönnen, könne sie sich nicht vorstellen. Gemütlich sei nicht, eher wie im Urlaub ständig Anrufe zu kriegen.

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