Kampfsportler des Stendaler Jiu-Jitsu-Vereins bieten mit Erfolg Kurse für Frauen an

„Man kann sich verteidigen“

+
Karsten Ullrich ist erfahrener Trainer des Kampfsports und hat lange Jahre als Ermittler der Kriminalpolizei gearbeitet. Er trainiert die neun Frauen. Sie haben bisher glücklicherweise keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ein subjektives Angstgefühl sei aber vorhanden, sagen die Kursteilnehmerinnen.

Stendal. Selbstverteidigung für Frauen – einen solchen Kurs bieten die Kampfsportler des 1. Jiu-Jitsu-Vereins Sachsen-Anhalt Stendal 1993 seit wenigen Wochen an. Einst war es ein Kurs der Volkshochschule, dieser lief aus, das Interesse blieb.

Neun Frauen sind es aktuell, die sich jede Woche zum Training im Dojo in Stendal-Süd treffen. Warum sie sich für dieses sportliche Hobby entschieden haben?.

„Ich nehme mir jetzt die Handbratzen, links, rechts. Wenn ich die an habe, gehen wir in Kampfstellung. Die Frauen stehen mir gegenüber. Und werden dann Kombinationen in Schlagtechniken ausführen. Um auch die Power rein zu kriegen, muss man erst mal die Hemmungen ablegen, das können sie. Das machen sie schon eine Weile.“ Karsten Ullrich hat die gepolsterten Handschuhe angezogen. Er ist ein erfahrener Meister der Kampfkunst, hat lange Jahre als Ermittler der Kriminalpolizei gearbeitet. „Der Gegner, der geht davon aus, dass das Opfer wirklich erstmal mit dem Angriff erschreckt ist. Wenn die Frau dann wirklich eine Abwehrhaltung einnimmt und auch zu schreien beginnt, und sich da eine Hand befreit durch Kreisbewegung oder durch eine Schlagtechnik, dann hat das schon eine Wirkung, weil der Angreifer geht davon aus, dass er überlegen ist und seinen Vorteil darin sieht.“

Reden, beruhigen, im Gespräch einen Ausweg suchen, Hilfe herbeirufen. Das sollten immer die ersten Schritte sein. Die Frauen lernen aber eben auch Techniken, die eine schnelle Abwehr ermöglichen, um dann die Flucht ergreifen zu können. Schlechte Erfahrungen hätten die neun Frauen nicht gemacht. Bisher habe es glücklicherweise noch keinen Grund zur Verteidigung gegeben. Das betonen die Damen, die im Dojo trainieren. Ihre Motivation erklären sie so: „Also, ich fühle mich als Frau nicht sicher. Ja, das wollte ich gern ändern und selbstbewusster werden.“ Eine andere sagt: „Meine Motivation: Den Kopf frei bekommen und auch im Notfall meine Tochter beschützen können.“ Eine weitere Teilnehmerin schätzt die Gemeinschaft in der Gruppe: „Ja, ich finde die Runde sehr gut, die Kontakte. Und natürlich die Selbstverteidigung, dass man als Frau seinen Mann stehen kann.“ „Ja, mir geht es auch so. Man kann sich verteidigen, man hat die Option zu lernen, sich zu verteidigen. Es macht Spaß. Der Trainer ist super. Und es passt von den Arbeitszeiten auch super.“ Und: In einer vernetzten Medienwelt werde man ständig mit Meldungen von Straftaten konfrontiert. Diese müssten nicht einmal in der Region geschehen, würden aber ein subjektives Angstgefühl bewirken, sagten die Frauen.

Von Alexander Klos

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare