Neonazis im Umbruch / Gegenprotest formiert sich / Bislang zwölf Veranstaltungen angemeldet

Magida mobilisiert für 16. Januar

+
Gegner der Neonazis sorgen für Aufsehen.

Magdeburg / Stendal. Die flüchtlingsfeindliche Magida, ein Ableger der Dresdner Pegida-Bewegung, hat ein Jahr nach ihrer Gründung für den 16. Januar in Magdeburg eine Demonstration angemeldet. Dieses Datum beschert Sachsen-Anhalts Polizei regelmäßig Großeinsätze.

Beamte aus der Altmark sollen auch dieses Mal wieder dabei sein. Die Elbestadt wurde 1945 von britischen Bombern schwer getroffen. Neonazis marschieren alljährlich auf und nutzen die Geschichte für ihre ganz eigenen Zwecke. In welchem Umfang für Mitte Januar 2016 mit eigenen Versammlungen aus dem rein neonazistischen Spektrum zu rechnen sei, vermag Polizeisprecher Mike von Hoff gegenüber der AZ noch nicht sicher zu sagen. „Im vergangenen Jahr hatten wir die Anmeldung ganz kurz vor Ultimo. “.

Der Gegenprotest formiert sich bereits. Auch 2016 soll es eine „Meile der Demokratie“ geben. Und das Bündnis „Magdeburg nazifrei“ ruft schon zu Sitzblockaden auf und spricht von gewaltfreiem Widerstand. Aus dem überwiegend demokratischen Spektrum, wie es Polizeisprecher von Hoff formuliert, liegen bislang insgesamt elf Anmeldungen für Versammlungen vor. Wie sehr der 16. Januar ein heißer Tag für die Sicherheitskräfte wird, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, in welchem Maße sich autonome und linksradikale Gruppen am Gegenprotest beteiligen wollen. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Scharmützel gegeben.

Magdeburg gilt als Kristallisationspunkt für Neonazis in der Region und darüber hinaus. Seit Ende der 1990er-Jahre ziehen NPD und freie Kameradschaften durch die Landeshauptstadt. Bisheriger Höhepunkt ist das Jahr 2012, als etwa 1200 Neonazis aufmarschieren konnten. Die radikale Rechte organisiert sogenannte Trauermärsche auch in Dresden und anderswo. Inwiefern die strukturellen Umbrüche in der Szene und die neue Partei „Die Rechte“ das Szenario verändern, bleibt abzuwarten.

Die Ereignisse 2012 sorgten noch einmal für besonderes Aufsehen, weil sich Nazigegner als KZ-Häftlinge verkleidet dem Marsch der Rechtsradikalen in den Weg stellten. Die Bilder gingen um die halbe Welt. Neonazis aus der Altmark hielten sich damals im Vergleich zu den Jahren davor eher bedeckt, zeigten sich überwiegend ohne eigene Symbole.

Die „Bürgerbewegung Altmark“, bei der auch Magida-Leute mitmischen sollen, hat übrigens für den 10. Januar 2016 ihre nächste Demonstration in Stendal angekündigt.

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare