Jüdisches Gebetshaus in Magdeburg

Eine Synagoge rückt näher an Stendal

Ein Banner verweist auf den Bau der Synagoge an der Julius-Bremer-Straße in Magdeburg.
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In der Kaiser-Otto-Stadt Magdeburg kündigen religiöse Gemeinde und Förderverein den Bau der Synagoge an. Mehrmals waren Banner mutwillig beschädigt worden.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Der Bau der Synagoge zu Magdeburg rückt näher. Das jüdische Gebetshaus kann den gesamten Norden Sachsen-Anhalts als Einzugsgebiet haben, von Stendal nach Magdeburg sind es ungefähr 60 Kilometer. Bis spätestens 2023 soll die Synagoge in der Landeshauptstadt stehen. Gegen eine frühere Einweihung hätte der Förderverein Neue Synagoge nichts.

  • Vereinsvorsitzende Zachhuber freut sich auf Baustart.
  • Botschaft: Antisemitismus im Blick haben.
  • Alte Synagoge in Nazizeit zerstört.

Magdeburg / Stendal – Der Start rückt näher, vielleicht sind erste Arbeiten noch dieses Jahr sichtbar. Stendals Altlandrat Gerhard Miesterfeldt (SPD) sah im Dezember 2018 eine Synagoge in der Landeshauptstadt in einer herausgehobenen Stellung, die insbesondere den nördlichen Teil Sachsen-Anhalts als Einzugsgebiet haben werde. Inwieweit das lang geplante jüdische Magdeburger Gebetshaus in die Altmark ausstrahlen kann, dazu möchte Waltraut Zachhuber gegenüber der AZ auch gern umgekehrt fragen. Nämlich: „Was können Menschen in der Altmark tun, damit eine jüdische Gemeinde, die in ihrer Nähe liegt, das Gefühl hat, als Teil der Gesellschaft angesehen zu werden?“ Miesterfeldt ist Mitglied des Fördervereins Neue Synagoge Magdeburg, Zachhuber dessen Vorsitzende.

Wadim Laiter, der Vorsitzende der Synagogengemeinde zu Magdeburg, sei derzeit stark eingebunden in die Bauvorbereitungen und in die Aufgaben zum Jahresthema „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, führt Zachhuber, eine evangelische Christin und frühere Superintendentin, aus. In der Altmark leben momentan allenfalls vereinzelt Juden, eine feste Gemeinde ist nicht bekannt. Jüdisches Leben in der Region hat dieser Tage mehr eine historische Dimension. In Stendal stand eine Synagoge nahe dem Ostwall, eine Tafel erinnert an sie. Außerdem gibt es einen alten jüdischen Friedhof. Aber natürlich: Auch altmärkische Familien können jederzeit zur Synagogengemeinde gehören. Zwischen Stendal und Magdeburg liegen vielleicht knapp 60 Kilometer, die Gemeinde zählt derzeit 420 Mitglieder.

Spätestens 2023 soll alles stehen

Der Förderverein ist 1999 aus der Taufe gehoben worden, die Pläne für eine neue Synagoge dürften noch ein Stück weit älter sein. Über die Gesamtkosten des Baus ist immer wieder öffentlich gesprochen worden: 3,4 Millionen Euro stehen zur Verfügung, davon sind 2,8 Millionen Euro Landesmittel. Beim Rest handelt es sich um Eigenanteile der Synagogengemeinde und des Vereins. „Bei diesen Kosten wird es bleiben“, zeigt sich Zachhuber auf AZ-Anfrage überzeugt. „Bei der Übernahme des Grundstücks für die Synagoge im Herbst 2019 von der Landeshauptstadt Magdeburg musste die Synagogengemeinde zusagen, dass bis Ende 2023 die Synagoge steht. Wir freuen uns natürlich, wenn es früher wird, aber auf alle Fälle wird diese Zusage eingehalten werden.“

3,4 Millionen Euro sollen ausreichen

Das Gebetshaus wird im Zentrum der Stadt an der Julius-Bremer-Straße errichtet, unweit von der Stelle, an der einst eine Synagoge stand, sie wurde 1938 im Inneren zerstört und später gesprengt. Zachhuber schaut voraus. Wann genau etwas vom Neubau sichtbar sein werde, lasse sich noch nicht mit Genauigkeit sagen. „Vor diesem sichtbaren Baubeginn stehen Prüfungen durch die Landesbehörden und der Antrag auf Baugenehmigung.“ Natürlich werde die Öffentlichkeit rechtzeitig über ersten Spatenstich oder Grundsteinlegung informiert. Ist die Synagoge eingeweiht, sollen auch gleich Gottesdienste stattfinden. Das Bauvorhaben hat Zeit gekostet, immer wieder einmal hatte es auch Rückschläge gegeben, nun scheint vieles tatsächlich auf der Zielgeraden.

Altmark ohne eigene jüdische Gemeinde

In Sachsen-Anhalt gibt es nur zwei weitere Standorte für jüdische Gemeinden, Dessau-Roßlau und Halle, wo ein Rechtsextremist im Oktober 2019 in einer Synagoge Juden ermorden wollte und auf der Straße zwei andere Menschen erschoss. Auf Sicherheitsfragen für Magdeburg geht Zachhuber erst einmal nicht ein. Sie sieht gegenüber der AZ das große Ganze, erinnert an die Nazizeit und fragt auch: „Was können Menschen in der Altmark tun, wie können sie etwas davon ausstrahlen, dass Antisemitismus und alltägliche Bedrohung gegen jüdische Bürger unseres Landes abnehmen oder, noch besser, ganz verschwinden?“ Warum nur noch so wenige Gemeinden existieren, das könne sich doch jeder selbst fragen. „In der Altmark gibt es ja dazu auch konkrete Orte wie die Gedenkstätte Isenschnibbe.“

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