Von Woche zu Woche

Lieber später als gar nicht ankommen

Klar, jeder ärgert sich, wenn er geblitzt wird. Man kann regelrecht einen Hass auf die festen Blitzer oder die Beamten hinter der Laserpistole entwickeln. Die zocken uns doch nur ab.

Es tut weh, wenn man schon zehn Euro bezahlen muss, weil man bis zu 10 km/h mehr als erlaubt auf dem Tacho hatte. 10 km/h zu viel – das geht schnell. Innerorts kostet das sogar 15 Euro. Auch zwischen 21 und 25 km/h über dem Limit zu liegen, passiert leicht, kostet aber mit 70 Euro und einem Punkt in Flensburg schon empfindlich mehr. Und wer am Donnerstag dieser Woche beim bundesweiten „24-Stunden-Blitzmarathon“ gleich mehrfach in die Radarfalle rauschte, dem wird der Kamm schwellen. Und dazu gehörte gar nicht viel, schließlich waren allein in der Altmark 30 Messstellen eingerichtet, 19 im Landkreis Stendal und elf im Altmarkkreis Salzwedel.

War das Abzocke, um Geld in die Staatskasse zu kriegen? Hat sich die Polizei nur hinter dem Deckmantel versteckt, dass man angesichts der vielen Unfälle durch zu schnelles Fahren ein Zeichen setzen wollte? Ist es nur ein scheinheiliges Argument, dass Raser gebremst werden sollen? Man mag geteilter Meinung darüber sein.

Aber fest steht: Jeder Unfalltote ist einer zu viel. Zwölf Verkehrstote wurden allein in diesem Jahr im Altmarkkreis Salzwedel beklagt, sechs im Landkreis Stendal. 18 Tote in der Altmark. Warum, werden sich die Angehörigen fragen. Jeder Tote hinterlässt eine Lücke, unsägliches Leid, über das mancher vielleicht nie hinwegkommt. Oft sind es junge Menschen, die das Leben eigentlich noch vor sich hatten. Von einer Sekunde auf die andere tot. Familien, Freunde, Verwandte leiden, kämpfen mit dem Schmerz, der niemals überwunden werden kann. Zumal keiner dieser Unfälle passieren musste. Ob die späteren Opfer selbst zu schnell gefahren sind, ob ein anderer Verkehrsteilnehmer sie durch Raserei in den Tod gebracht hat – fest steht, dass Raserei die Hauptursache für diese schweren Unfälle ist.

Wenn sich durch den Blitzmarathon auch nur ein Unfall vermeiden lässt, hat die Polizei etwas erreicht. Und wenn wir mal ehrlich sind: So eine Blitzaktion hat schon Nachwirkung. Wir fahren sinniger – zumindest eine Weile lang. Das tun wir auch, wenn wir an einem schweren Unfall vorbeifahren. Das Leid berührt uns, auch wenn wir die Opfer nicht kennen. Wir fahren automatisch langsamer und machen uns bewusst, dass man von einer Sekunde auf die andere tot sein kann.

Und ja – rasen muss weh tun. Empfindliche Geldstrafen, Punkte in Flensburg und Fahrverbote sind richtig. Viel zu oft will man schnell von A nach B, drückt das Gaspedal schon mal kräftiger durch als erlaubt. Das kennen wir doch alle. Man lässt sich gern mal etwas schneller in eine Ortslage rollen. Und hat meistens Glück, dass dort gerade nicht ein Kind über die Straße läuft, um seinen Ball zu holen.

Rasen bringt nichts.

Von Ulrike Meineke

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