1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Stendal

Lichthäuschen: Idee in Stendal soll zünden

Erstellt:

Von: Marco Hertzfeld

Kommentare

Aus dem Tunnelhäuschen am Bahnhof Stendal kann ein Lichthäuschen werden.
Aus dem Tunnelhäuschen wird ein Lichthäuschen. So stellt es sich jedenfalls Andreas Möhlmann vor. Die Lichtfarben des Objektes auf dem Bahnhofsvorplatz könnten auch variieren, in Blau, Grün oder auch Rot übergehen. © Möhlmann Andreas

Der Abriss des früheren Stendaler Tunnelhäuschens ist keineswegs vom Tisch. Andreas Möhlmann und andere kämpfen für den Erhalt. Das Ziel des Architekten: ein Licht- und Lesehäuschen.

Stendal – „Das Tunnelhäuschen muss bleiben, keine Frage.“ Architekt Andreas Möhlmann, der vor genau 20 Jahren für die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes verantwortlich zeichnete, ist Feuer und Flamme für das Kleinobjekt. Drei Punkte müssten allen klar sein: Eine Abrissgenehmigung liegt vor, sie steht noch in Zusammenhang mit dem Aus des Röxer Tunnels. Nach wie vor ist die Bahn der Eigentümer. In saniertem Zustand könnte das Häuschen an die Stadt gehen, doch ausgemacht ist das längst noch nicht. Wichtig für Möhlmann: „Ich habe im November einen Termin beim Oberbürgermeister und nächste Woche telefoniere ich schon einmal mit ihm.“

Andreas Möhlmann (l.) und Michael Trösken reden am Tisch über das frühere Tunnelhäuschen in Stendal.
Andreas Möhlmann (l.) und Michael Trösken wissen um das gemeinsame Ziel. Das ehemalige Tunnelhäuschen soll erhalten bleiben. Es bereichere den Bahnhofsvorplatz. © Marco Hertzfeld

Für den gebürtigen Wittinger, der nach der politischen Wende in Ostdeutschland in Stendal zurück zu familiären Wurzeln fand, gehört „das wirklich kleine Ding“ einfach zum Bahnhofsvorplatz dazu. „Es ist städtebaulich bedeutsam und entfaltet seine Wirkung vor allem bei jenen, die aus dem Bahnhofsgebäude treten. Und ja, es handelt sich um ein Baudenkmal.“ Sein Konzept für ein Licht- und Lesehaus liegt längst vor. „Stellen Sie sich das Objekt insbesondere in der dunklen Jahreszeit und vor allem in der Weihnachtszeit vor, saniert und erleuchtet, ein Schmuckkästchen“, schwärmt Möhlmann im AZ-Gespräch.

Denkmal, Charme und „Mondpreise“

Der Tunnel ist verfüllt, Bodenplatten sind gesetzt. Das Häuschen, mehr als 100 Jahre alt, selbst ist in einem desolaten Zustand, schon bei der Sanierung des Platzes war es stiefmütterlich behandelt worden. Er sei nie müde geworden, „den Charme des Objektes zu betonen“. So richtig traut der Architekt dem Braten aber nicht, im Fachamt soll es einen personellen Umbruch gegeben haben. Die Gespräche zwischen Bahn und Stadt laufen seit längerer Zeit, ohne Ergebnis. Nun sollen sich Ausschüsse und womöglich gar der Stadtrat mit dem Thema befassen (die AZ berichtete). Der Stendaler setzt auf die Ratsleute und nicht zuletzt auf den neuen Oberbürgermeister Bastian Sieler (parteilos).

Stendaler schaltet Rathauschef ein

Bei Michael Trösken rennt Möhlmann offene Türen ein, sie ziehen an einem Strang. Baulich einbringen wollen und können sich Trösken und ein weiterer Eisenbahnfreund nicht. Möhlmann kann sich vorstellen, bei den architektonischen Leistungen zu helfen und sich auch an der Fenstersanierung finanziell zu beteiligen. Ein Großteil der Fenster, derzeit hinter Sperrholz verborgen, dürfte noch in Ordnung sein. Dass die komplette Sanierung des Häuschens an die 150 .000 Euro und mehr kosten soll, kann der Architekt nicht glauben. „Das sind Mondpreise, die umhergeistern.“

Die Idee eines Licht- und Lesehäuschens passt zu den Vorschlägen von Trösken und Mitstreiter, dort Schautafeln zur Eisenbahngeschichte anzubringen. Die Kaschade-Stiftung sei auch mit im Boot, ein Bücherregal mit passender Literatur könnte alles bereichern. Ein durch Licht in Szene gesetztes unverwechselbares Objekt, das Einheimischen und Gästen sofort ins Auge fiele, und mit Ausstellungen und anderem locke, Möhlmann und Trösken sehen es bereits vor ihrem innen Auge. Inwieweit eine Energiepreiskrise mittelfristig noch eine Rolle spielen könnte, bliebe abzuwarten.

Auch interessant

Kommentare