Denkmal steht in der Ecke

Lenin in Stendal bislang Strohfeuer

Ein Lenin-Denkmal steht in einer Ecke des Landesfeuerwehrmuseums in Stendal.
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Lenin, der marxistische Theoretiker, steht auf dem Areal in einer Ecke. Der Stein hat erstes Moos angesetzt. Das Museum ist derzeit wegen Corona dicht.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Lenin soll in Stendal nach wie vor eine Zukunft haben. Doch nun könnte das Denkmal noch länger als geplant in einer Ecke des Landesfeuerwehrmuseums stehen. Für den Leiter gilt weiterhin: Brandschutz und der Weltrevolutionär - das passt zusammen.

Stendal – Den ollen Lenin aus der Ecke zu holen, damit hat es Michael Schneider nicht mehr sonderlich eilig. Der ausgemusterte Weltrevolutionär aus Granit soll nun auf jeden Fall am Eingang stehen, wenn die Arbeitsgemeinschaft der Feuerwehrmuseen in Deutschland 2022 oder auch erst 2023 in Stendal zusammenfindet. Schneider feilt an der Einladung ins Landesfeuerwehrmuseum, sicher scheint noch nichts, zumal Corona nun einmal überall den Veranstaltungskalender durcheinandergebracht hat. Lenin überhaupt wieder ins Rampenlicht zu hieven, hatte dem Museumsleiter anfangs auch vereinzelte Kritik eingebracht. „Der Mann hat doch aber nun mal seine Rolle“, meint der Hansestädter.

Er sei natürlich kein Leninist, sondern mit Leib und Seele Feuerwehrhistoriker, wie er immer wieder selbst von sich sagt. Das Feindbild der freien bürgerlichen Welt ist Teil eines Projektes, das an die deutsch-sowjetische Nachkriegsgeschichte ab 1945 erinnern soll. „Nicht mehr und nicht weniger.“ Wer es nicht weiß: In der Besatzungszone und damit auch in Stendal wollten die neuen Machthaber für die Neuorganisation des Löschwesens ein Dekret heranziehen, das Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, nach der Revolution in Russland mitverfasst hatte. Ein solcher Brandschutz wäre fast durchweg militärisch organisiert gewesen, das Prinzip der Freiwilligkeit so ziemlich beerdigt worden. Es kam anders.

Kommunist Teil der Brandschutz-Historie

Eine Tafel für Besucher soll Lenin und die Ereignisse einordnen helfen. Wie wichtig das einigen Menschen sein könnte, hatte Schneider im Sommer 2019 vielleicht unterschätzt. „Natürlich denke ich an eine Plakette, die diesem Anspruch gerecht wird“, sagt er der AZ in dieser Woche. Die übermannshohe Figur in typischer realsozialistischer Pose musste Anfang der 1990er-Jahre den heutigen Nachtigalplatz räumen und landete über Umwege auf dem Gelände an der Osterburger Straße. 150 Jahre alt wäre Lenin 2020 geworden, dieses Datum hat der Verein Feuerwehrhistorik Stendal verpasst. Schneider, der auch dort das Zepter führt, zeigt sich auch da gelassen.

Revolutionär soll an den Eingang

Schneider hat seit einiger Zeit ein anderes Jubiläum für den Kommunisten im Blick. 2022 besteht die freiwillige Feuerwehr in Stendal seit 150 Jahren. Und natürlich: Sachsen-Anhalt feiert in genau diesem Jahr im Juli sein Landesfest in der altmärkischen Kreisstadt. Inwieweit der Sachsen-Anhalt-Tag in Schneiders Überlegungen noch eine größere Rolle spielt, wird sich zeigen. Lenin am Eingang zu inszenieren, sei jedenfalls auch Teil der neuen Hofgestaltung (Blumenbank, Weg und Zaun). Die Figur muss nicht zuletzt von Farbschmierereien befreit und an einigen Stellen ausgebessert werden. Hinzu kommen Fundament und Umsetzung. Die Gesamtkosten seien überschaubar, womöglich ein eher niedriger vierstelliger Betrag.

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