Geiselnahme, Erpressung, Vergewaltigung – ein Fall wie im Fernsehkrimi

Die Leiden der Maria H.

mih Stendal. Was gestern im Landgericht zu hören war, glich einem Fernsehkrimi. Ein 27-jähriger Stendaler soll die ganze Palette geboten haben – von Geiselnahme über Erpressung bis hin zu mehrfacher Vergewaltigung.

Dezember 2014, Berlin. Dort soll sich der Stendaler eine x-beliebige Frau ausgeguckt haben. Er kannte sein Opfer Maria H. nicht, als er es zunächst mit einem Küchenmesser bedrohte, später vergewaltigte und beraubte. 1 Uhr nachts soll es gewesen sein, als der Angeklagte W. der Frau von hinten den Mund zuhielt und ihr das Messer an den Hals drückte. Aus Angst habe sie ihm Geld geboten, doch W. wollte offenbar Sex. In einem nahen Park zwang er sein Opfer laut Anklage sich auszuziehen. Dann habe er H. auf mehreren Findlingen zunächst bäuchlings und dann in Rückenlage missbraucht. Unter Androhung von Gewalt habe er sie im Anschluss gezwungen, Geld für ihn abzuheben.

Als sein Versuch, in Berlin ein Hotelzimmer für die restliche Nacht zu buchen, scheiterte, soll er mit ihr im Zug nach Stendal gefahren sein. Dort hätten sie laut der Anklageschrift in der Obdachlosen-Unterkunft übernachtet. Das Leid des Opfers nahm auch am nächsten Morgen noch kein Ende. W. habe sie gezwungen, ihn im Zug bzw. Bus zu seiner Mutter nach Klötze zu begleiten. Erst nach der Rückkehr aus Klötze konnte H. am Stendaler Bahnhof fliehen.

W. verfügt über eine „antisoziale Persönlichkeitsstörung“. Er wurde bereits im Jahr 2008 wegen Geiselnahme und schwerer Vergewaltigung zu sechs Jahren Haft verurteilt. W. erteilte dem Gericht gestern keine Auskünfte, der Prozess geht weiter.

Von Mike Höpfner

Rubriklistenbild: © dpa

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