Nachhaltiges Einkaufen / Unverpacktläden im Stadt-Land-Vergleich

Lebensmittel ganz ohne Müll – in Stendal

MY Unverpackt“ in der Breiten Straße bietet inzwischen auch Tee und Gewürze lose an.
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MY Unverpackt“ in der Breiten Straße bietet inzwischen auch Tee und Gewürze lose an.

Stendal – Umwelt ist ein großes Thema, Anhänger von Fridays for Future gehen auf die Straße und immer mehr Menschen überlegen, wie sie nachhaltiger leben können. Mülltrennung und -vermeidung ist meistens der erste Gedanke. Und genau da kommen Unverpacktläden ins Spiel.

Der Name ist Programm: Kunden bringen einfach ihre eigenen Gefäße, Boxen und Gläser von Zuhause mit und füllen diese mit Mehl, Müsli und anderen Lebensmitteln, die es ganz ohne Verpackung zu kaufen gibt. Bezahlt wird nach Gewicht und am Ende wird eine Menge Müll gespart.

Geht sowas denn auch auf dem Land? Yvonne Riesmann, Besitzerin von „MY Unverpackt“ in Stendal, meint: „Die Leute sind hier genauso interessiert daran wie in der Stadt.“ Die meisten Unverpacktläden werden allerdings in den Großstädten eröffnet.

Unterschiede gibt es aber trotzdem, denn auch in diesen Geschäften richtet sich das Angebot nach der Nachfrage. In den Großstädten führen viele der Läden nur unverpackte Lebensmittel mit breiter Auswahl, aber auch umweltfreundliche Kosmetik oder Reinigungsmittel. Es wird sich oft spezialisiert, zum Beispiel auf rein vegane Kost oder regionale Bio-Produkte. Bei großem Interesse entstehen Mittagstische oder kleine Cafés. Inzwischen gibt es ganze Unverpacktladenketten wie „Original Unverpackt“ in Berlin.

Riesmann besucht in ihrer Freizeit gern andere Unverpacktläden und lässt sich inspirieren, tauscht sich aus. Ihr eigener Laden unterscheidet sich von jenen in der Großstadt in der Hinsicht, dass hier kein Obst oder Gemüse angeboten wird, weil man diese frisch auf dem Wochenmarkt nebenan bekommt. Das Angebot ist kleiner, aber angepasst an die Umgebung.

Auf Nachfrage der Kunden führte die Besitzerin mehr nachhaltige Alltagsartikel wie Zahnpaste als Tabletten und wiederverwendbare Wattestäbchen ein. Einige Stammkunden von „MY Unverpackt“ haben in dem ehemaligen Tee- und Gewürzladen zum ersten Mal das Konzept ausprobiert und kommen gerne wieder. Viele erinnert die Idee an Tante-Emma-Läden. Wie in den Großstädten, kaufen die Konsumenten vor allem haushaltsübliche Mengen, anstatt auf Vorrat. Das Geschäft führt auch noch das alte Sortiment von Tee und Gewürzen in kleinen Plastiktüten, aber die Kunden denken mit und schlugen schon selbst vor, ihre eigenen Teedosen mitzubringen. Auf lange Sicht möchte Riesmann alle Waren unverpackt anbieten.

Als die Corona-Beschränkungen begannen, durfte „MY Unverpackt“ als Lebensmittelverkauf weiterhin geöffnet bleiben. Immerhin haben Unverpacktläden von Grund auf bereits hohe Gesundheitsauflagen. Die Kunden benutzen Bulk Bins (Schüttbehälter) oder Kellen, die regelmäßig gereinigt werden, und kommen so nie direkt mit der Ware in Berührung.

Die steigende Anzahl an Unverpacktläden in Deutschland lässt darauf schließen, dass immer mehr Menschen diese Angebote nutzen wollen. Ähnliche Schlüsse zieht auch Riesmann nach einem Jahr, das „MY Unverpackt“ schon besteht. „Ich bin sehr glücklich mit der Entscheidung, das Geschäft auf zu machen.“, sagt sie. Die Ladenbesitzerin möchte noch mehr Menschen mit dem Konzept dazu anregen, bewusster zu leben und mehr auf die Umwelt zu achten.

Heute ist das „MY Unverpackt“-Jubiläum, aber die Feierlichkeiten werden unter den gegebenen Umständen verschoben. Verkostungen und das gemeinsame Anstoßen müssen also noch etwas warten. VON LISA KRAUSE

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