Weltkriegsgerät bei Fischbeck gefunden / Wachdienst vor Ort

Lebensgefahr: Granaten im Deich

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Ingo Freitag und Kai Weber suchen 22,3 Hektar Deichfläche nach alter Munition ab.

Fischbeck. Waffenteile und Munition, Handgranaten, Panzerfaustköpfe – neben Schrott und Helmen finden Mitarbeiter des Kampfmittelräumungsdienstes derzeit auch hochgefährliche Granaten am Deich von Fischbeck.

Diese stammen aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs und wurden nun beim Deichbau entdeckt. Das technische Polizeiamt (TPA) Sachsen-Anhalt warnt: „Da hat keiner was zu suchen“, erklärte TPA-Sprecher Axel Vösterling.

Sprengung am Deich

Die Waffenansammlung geht auf die Flucht der deutschen Wehrmacht vor der Roten Armee im Frühjahr 1945 zurück. Die 12. Armee unter General Walther Wenck war auf dem Rückzug, ihr im Nacken die Rotarmisten. Bei Fischbeck und Tangermünde setzten die Soldaten auf ihrer Flucht über die Elbe, zum Teil schwimmend, zum Teil über einen Steg an der zerstörten damaligen Elbbrücke. Kurz darauf kapitulierte die Armee in Stendal, die Soldaten kamen in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Aufklärer filmt Sprengung

Was sie auf der Flucht an hinderlicher Ausrüstung am Fischbecker Ufer hinterlassen haben, darauf sind nun die Arbeiter beim Bau des neuen Deiches gestoßen. Seit bereits mehreren Wochen, so heißt es von Vösterling, werde die Baustelle vom Kampfmittelräumdienst begleitet, unterstützt von einer Firma aus Gardelegen. Die Fachleute aus der Westaltmark erkunden nun tagtäglich das Areal mit Detektoren, um Waffen und Munition zu finden. Mehrere Granaten wurden schon gesprengt.

Jetzt erst gelangten die Funde an die Öffentlichkeit. Und das sehr zum Ärger Vösterlings. Denn er fürchtet nun das Schlimmste: „Je älter die Waffen sind, umso gefährlicher sind sie“, meint er und spielt auf Sicherungsfedern oder Splinte an, die beispielsweise in Handgranaten stecken und angerostet sein können. „Und das“, sagt Vösterling, „ist brandgefährlich“. Eine alte, aber noch zündbereite Handgranate könne durch Verwitterung aussehen wie ein gewöhnlicher Klumpen Dreck.

Damit will Vösterling nicht nur Sammlern von Militaria dringend abraten, sich auf dem Gelände herumzutreiben. Er appelliert auch an alle anderen, der Baustelle fern zu bleiben. Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Genthin, der für den Deichabschnitt zuständig ist, werde einen Wachdienst beauftragen, der außerhalb der Arbeitszeiten am Deich dafür sorgt, dass niemand an den gefährlichen Abschnitten herumläuft.

Von Kai Hasse

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