„Leben – Galerie der Menschlichkeit“

Vom Suchen und Finden handelt unter anderem das Tanztheater, das vorgestern Premiere feierte.

hh Stendal. Beim Eintritt in den Zuschauerraum des Kleinen Hauses im Theater der Altmark (TdA) findet der Besucher fünf menschliche Skulpturen auf der Fläche. An den Wänden entlang Tische und Stühle für die Anwesenden. Dazwischen fünf Musiker verteilt. Mit Beginn der Tanzproduktion „Leben – Galerie der Menschlichkeit“, nach einer Idee von Jennifer Herzog und Sebastian Socha, gemeinsam unterstützt von Theater und Kunstplatte sowie weiteren Institutionen, erweckt der „Erzähler“ Manfred Helmecke die Figuren einzeln, ihnen Namen gebend zum Leben: L wie Liebe, E wie Egoismus B-rav/B-öse, E-itel/E-kelhaft und N-ichts.

Die fünf Tänzerinnen und Tänzer, Jana Schmietendorf, Victoria Walther, Jennifer Herzog, Holger Göttzky und Robert Grzywotz, stellen im Folgenden in erregenden Bildern, unterstützt von aufreizender Improvisationsmusik aus Trompete, Klavier, Cello, Percussion und Saxophon sowie E-Gitarre verschiedene Lebensabschnitte Einzelner oder der Gruppe dar. Von Kindheit/Entdecken über Einsamkeit und Weg finden zur Identitätsentwicklung, über Sturm und Drang zum Alltag, zu Zweifeln, Warten und Anfang/Ende. Das Ganze ist vor allem dem Liebesleben gewidmet.

Der Sprecher hat für jede Etappe seine „Lebensweisheiten“ zum Nachdenken bereit. Da heißt es zu Beginn: „Du bist noch nicht alt genug – haben sie gesagt“. Dann entfesseln vier gleichaltrige die Zentralfigur, befreien sie aus ihrer „Befangenheit“. Über „Alleinsein“ meditierend, suchen sich Paare, findet sich eins für den Augenblick, für immer? Was folgt ist fast Chaos jugendlichen Überschwangs, bis „Alltag“ und „Familie“ einkehren.

Alles professionell im Ausdruckstanz festgehalten. Die Choreografie Jennifer Herzogs berücksichtigt Jede und Jeden nach Fertigkeit. Keiner wurde dabei überfordert. Die gestalterische Hand von Robert Grzywotz ist spürbar. So entstand ein beeindruckendes Ensembleerlebnis, über dessen Schlusssentenz man streiten kann: „Alles nur Geschichten“ und „Die Menschheit stolpert nicht über Berge sondern über Maulwurfshügel“. Soweit wäre mitzugehen. Ob aber „Menschen existieren – Leben ist das Allerseltenste in der Welt“ zu unterschreiben ist, mag Jeder für sich selbst entscheiden.

Der Premieren-Uraufführungsabend erhielt vorgestern für die geschlossene Leistung anhaltend herzlichen Beifall.

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