Weihnachtsbotschaft der Magdeburger Band „stattGeflüster“ lässt Stendals Publikum aufhorchen

„Lass dich nicht verhärten in harter Welt“

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Schriftsteller Ludwig Schumann (v.r.) bot mit Martin Rühmann, Gören Eggert und Warnfried Altmann ein musikalisch-literarisches Programm zu Arbeiten von Burger JVA-Insassen.

hh Stendal. Die Magdeburger Gruppe „stattGeflüster“ lud mit Schriftsteller Ludwig Schumann ins Rathaus zum Adventsabend besonderer Art.

Arbeiten von Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Burg standen neben Kompositionen von Martin Rühmann sowie Darstellungen Schumanns auf dem Programm. Im intimen Rahmen des kleinen Sitzungssaals vor der mittelalterlichen Schnitzwand wurde der Abend zum Erlebnis. Gedankentiefe und außergewöhnliche Überlegungen zum Fest und Zeitgeschehen ließen die Zuhörer aufhorchen.

Die lyrische Musik der Bandmitglieder Martin Rühmann (Gitarre, Gesang), Gören Eggert (Percussion) und Warnfried Altmann (Saxofon) fügte sich dem jeweiligen Lesethema angemessen ein. Beide Komponenten ergänzten einander zum etwas anders gearteten meisterhaft vorgetragenen Adventsabend. Weihnachten im Gefängnis bildete den Rahmen. Alltag im Lebenslauf eines Eingekerkerten, der Liebe, Freunde und Familie verlor. Der aber auch all das Gewesene allein verantworten muss und will, dessen Sehnsucht nach Freiheit bleibt, ist Inhalt einer Geschichte. Eine andere schildert einen Brief des Gefangenen an einen anonymen Mitbürger „draußen“. Hat er die gleichen Gefühle wie hier drinnen? Trotz all seiner Fehler kennt denn auch der Verurteilte Sehnsucht und Hoffnung auf Freiheit.

Eine Erzählung des Schriftstellers Schumann bringt Fragen und Lehren aus dem Geschehen um die drei Weisen und Jesus ins Licht der Gegenwart. Fremdenhass und Rassismus sind noch immer Probleme unserer Zeit. Denkanstöße werden gegeben, wie die virtuos dargebotenen zum Teil faszinierend angelegten Solobeiträge der Lied- und Instrumentalkompositionen.

„Lass dich nicht verhärten in harter Welt, nicht verbittern in einer bitteren Welt und nicht erschrecken in einer Erschreckenszeit“, machte Martin Rühmann Mut, den Alltag zu meistern. Auch das war eine Weihnachtsbotschaft, auch wenn sie außergewöhnlich, weil nichtalltäglich dargeboten wurde.

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