Im Norden treffen Polit-Größen aufeinander

Landtagswahl: Wenn ein Mandat Feuer birgt

Wer in den Magdeburger Landtag einziehen will, muss einige Steine beiseite räumen. Im Norden des Landkreises Stendal treten gleich mehrere politische Schwergewichte an. Das Bild entstand vor einigen Jahren bei Bauarbeiten auf dem Domplatz.
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Wer in den Magdeburger Landtag einziehen will, muss einige Steine beiseite räumen. Im Norden des Landkreises Stendal treten gleich mehrere politische Schwergewichte an. Das Bild entstand vor einigen Jahren bei Bauarbeiten auf dem Domplatz.

Stendal / Osterburg – Der Wahlkreis Havelberg-Osterburg hat es in sich. Der Skandal, die Zerwürfnisse, Um- und Aufbrüche im Landkreis Stendal und darüber hinaus spiegeln sich in ihm wider. Dass Chris Schulenburg, der CDU-Kreisvorsitzende, am 6. Juni sein Direktmandat verteidigen kann, ist keineswegs garantiert.

Ausgerechnet Nico Schulz, sein Vorgänger im Landtag und einstiger Parteifreund, ist von den Freien Wählern auf den Schild gehoben worden.

Wulf Gallert, Mitglied der Linkspartei, könnte der lachende Dritte sein und es diesmal ohne Umweg nach Magdeburg schaffen. Auch Jacob Beuchel, Kreis-chef einer neu aufgestellten SPD, und AfD-Frau Sandra Matzat, die schon einmal Bürgermeisterin von Osterburg werden wollte, müssen im nächsten Jahr nicht unbedingt Nebendarsteller sein.

Wenn es denn so etwas wie einen Taktgeber im Machtspiel der vergangenen Monate und Jahre gibt, dürfte dies bislang vornehmlich Schulz sein. Den Stendaler Wahlskandal von 2014 tat der Osterburger Bürgermeister anfangs zumindest öffentlich noch als reine Angelegenheit der Parteikollegen in der Kreisstadt ab. In der Auseinandersetzung über die richtige Aufarbeitung des Skandals entfremdeten sich beide Seiten dann zunehmend, ein Streit um Parteisonderbeiträge befeuerte das Ganze noch. Schulz fand Anfang dieses Jahres bei den FW eine neue politische Heimat. Ambitionen für den Landtag wies er von sich, später schloss er sie für die übernächste Legislatur nicht aus und spätestens am 24. Oktober lag die AZ mit der Einschätzung richtig: Schulz will ums Mandat kämpfen.

Wie stark die kommunale Wahlaffäre sieben Jahre später bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wiegt, bleibt abzuwarten. Noch ist juristisch nicht alles aufgearbeitet. Auch ein in den Sommer verlegter Gerichtstermin im Beitragsstreit könnte weiter zur Munition werden. Inwieweit die Chancen von Schulenburg, seit 2017 Kreisvorsitzender, damit steigen oder sinken, wird sich zeigen. Der Sandauer dürfte als aktuelles Mitglied des Landtages mehr denn je versuchen, auch noch ganz andere Themen zu besetzen. Der Wahlkreis umfasst die links- und rechtselbischen Gebiete im Norden des Landkreises Stendal. Gerade die CDU-Ortsverbände Osterburg und Seehausen scheinen durch die internen Auseinandersetzungen noch immer zumindest ein Stück weit angeschlagen.

Schulz und die FW sehen sich im Aufwind. Wie sehr Corona und all die Beschränkungen das Wahlverhalten der Bürger beeinflussen, lässt sich momentan schwer sagen. Dass die Corona-skeptische Basisdemokratische Partei Deutschland kürzlich in Osterburg einen Landesverband aus der Taufe gehoben hat, muss keine geografische Nebensächlichkeit bleiben. Mindestens ein Mitglied der Bundesspitze lebt im Wahlkreis, die Partei will, wie berichtet, auch Direktkandidaten aufstellen. Die AfD äußert sich verstärkt kritisch zu den staatlichen Maßnahmen, auch Dobbrunerin Matzat könnte so Stimmen holen wollen. Schulz wie Schulenburg dürfte die Konstellation mal mehr, mal weniger gefallen. Linkssozialist Gallert stammt aus Havelberg, die Genossen sind zudem im Raum Osterburg traditionell stark.

Einen klaren Durchmarsch dürfte es in knapp einem halben Jahr für niemanden geben. Auch muss es nicht in einem Zweikampf zwischen Schulenburg und Schulz enden. Gallert gilt durchaus als landespolitisches Schwergewicht, wobei dies der Wähler daheim im Landkreis Stendal auch erst einmal bestätigen müsste. Weitere Parteien küren ihre Direktkandidaten. Für die FDP im Wahlkreis Havelberg-Osterburg tritt Jim Christiansen-Weniger an.

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