Landeslisten zur Wahl 2021: Einige Kandidaten fahren für Magdeburg stark zweigleisig

Osterburgs Rathauschef schon mal kurz weg

Ein Wahlplakat der Freien Wähler steht neben dem der CDU im Norden von Magdeburg.
+
Wahlwerbung im Magdeburger Norden. Auf dem Plakat der Freien Wähler lächelt links Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz um die Wählergunst. Ob die Landtagsampel im Juni für ihn auf Grün schaltet, bleibt abzuwarten.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
    schließen

Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz darf über seinen Wahlkreis in der Altmark hinaus lächeln. Der Direktkandidat der Freien Wähler steht auf der Landesliste seiner Partei auf Platz zwei. Daheim hat er es vor allem mit seinem früheren Parteifreund Chris Schulenburg zu tun.

Stendal / Magdeburg – „Da ist zum Beispiel die Partei der Freien Wähler, wo Herr Schulze, ehemaliger Bürger ..., äh, Landtagsabgeordneter, und Bürgermeister in Osterburg ...“ Lutz Trümper (SPD), der Oberbürgermeister von Magdeburg, kann natürlich nicht mehr wissen als andere und hat sich schnell selbst korrigiert. Noch ist Nico Schulz Bürgermeister in der Altmark und war von 2002 bis 2011 CDU-Landtagsabgeordneter. Ob er am 6. Juni unter neuer Fahne in das Parlament einziehen kann, muss sich erst zeigen. Auch in der Landeshauptstadt darf der 47-Jährige schon einmal von den ganz großen Wahlplakaten lächeln, auf der Landesliste der Freien Wähler (FW) steht er durchaus aussichtsreich auf Platz zwei.

Magdeburgs Oberbürgermeister Trümper bei der Ratssitzung, die noch im Internet abrufbar ist.

Die Direktkandidaten der Parteien im Landkreis Stendal sind auf der jeweiligen Landesliste unterschiedlich gut abgesichert. Schulz ist bei den FW eine große Nummer und soll im Wahlkreis Havelberg-Osterburg das Direktmandat holen. Gelingt das nicht, bleibt der Weg über die Landesliste. Seine Partei will die Fünf-Prozent-Hürde bei den Zweitstimmen überspringen und so mit mindestens fünf Mandatsträgern einziehen. Dass Trümper aus Schulz Schulze machte, nun gut. Der Magdeburger hatte in der Debatte um ein kostenloses Schülerticket darauf verwiesen, dass die FW ein solches landesweit fordern. Wer nachschauen will: Das Video der Stadtratssitzung im Mai steht auf YouTube.

Auch Magdeburg sieht Osterburger

Beide Rathauschefs kennen sich aus der Arbeit im Städte- und Gemeindebund. Dass der Wahlkreis ganz im Norden Sachsen-Anhalt zu den besonders umkämpften gehören könnte, muss Trümper nicht wissen. CDU-Landtagsmitglied Chris Schulenburg möchte sein Direktmandat unbedingt verteidigen. Pikant: Mit Schulz steht ihm ein ehemaliger Parteifreund gegenüber, gerade bei der Frage um die richtige Aufarbeitung des Stendaler CDU-Wahlskandals von 2014 kam es zum Bruch. Schulenburg dürfte trotz allem der Favorit sein. Kann er das Ticket direkt nicht lösen, könnte Listenplatz elf reichen. Die Zahl der Mindestmandate in Magdeburg reduziert sich mit dieser Wahl 2021 von 87 auf 83.

Zweigleisig fahren einige Kandidaten

Können die FW, die bislang vor allem in Süddeutschland stark sind, einigermaßen punkten, kann Schulz fest für Magdeburg planen. Dasselbe gilt für Schulenburg und seine CDU, die momentan den Ministerpräsidenten stellt. Ziemlich optimistisch dürfte auch Wulf Gallert auf den 6. Juni blicken. Der Linke kämpft ebenfalls im Wahlkreis Havelberg-Osterburg um den Direkteinzug. Erfolg versprechender dürfte für ihn noch die Landesliste der Genossen sein, dort steht er an sechster Stelle. Jacob Beuchel (SPD), Sandra Matzat (AfD), Hella Ueberschaer (Bündnisgrüne), Jim Christiansen-Weniger (FDP) und Norbert Poley (die Basis) haben mit einer Landesliste wenig bis gar nichts zu tun.

Norden im Juni pikant umkämpft

Christiansen-Weniger taucht immerhin noch auf der Landesliste auf. Ob den Liberalen aber der Einzug nach einer Abwesenheit derart eindrucksvoll gelingt und Platz 13 ausreicht, scheint zumindest momentan eher unwahrscheinlich. Bekanntere Namen im Landkreis Stendal dürften da schon eher aussichtsreicher zweigleisig fahren können. Juliane Kleemann, SPD-Landesvorsitzende, beispielsweise kämpft weiter südlich im Wahlkreis Stendal um das Direktmandat und wurde von ihrer Partei auf Listenplatz fünf gesetzt. Und Landtagsmitglied Ulrich Siegmund (Wahlkreis Genthin mit Tangermünde und Tangerhütte) steht auf der Landesliste der AfD sogar an Position zwei.

Weil Umfragen aktuell die AfD hinter der CDU an zweiter Stelle sehen, darf sich auch AfD-Mann Matthias Büttner gute Chancen ausrechnen. Reicht es im Wahlkreis Stendal nicht für das Direktmandat, könnte das bisherige Bundestagsmitglied über die Liste in den Landtag einziehen, er steht auf Platz neun. Hennig von Katte von Lucke hat bei den FW Listenplatz sieben. Zu den Listenkandidaten der Bündnisgrünen hinter deren Spitzenteam gehört Landtagsmitglied Dorothea Frederking, auch sie kämpft in Stendal um das Direktmandat. Bei der Basisdemokratischen Partei Deutschland (die Basis) kommt mit Lothar Fontes sogar der Spitzenkandidat (Listenplatz eins) aus dem Landkreis Stendal.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare