Puhlmann fordert zur zweiten Runde

Landratswahl Stendal: SPD-Mann beim ersten Gang vor Amtsinhaber Wulfänger (CDU)

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Patrick Puhlmann (SPD) hat die Boxhandschuhe gestern Abend schon wieder angezogen.

Stendal – Die Entscheidung, wer für die nächsten sieben Jahre im Landratsamt das Sagen hat, ist vertagt. Patrick Puhlmann und Carsten Wulfänger gehen am 1. Dezember in die Stichwahl.

Das wirklich Überraschende ist: Der Sozialdemokrat erreichte beim gestrigen Urnengang 46,9 Prozent der Stimmen und liegt damit noch vor dem Amtsinhaber von der CDU, der 32,5 Prozent holt. AfD-Bewerber Arno Bausemer kommt nur auf 20,6 Prozent und fliegt aus dem Rennen um den Landratsposten.

Auffällig ist auch die vergleichsweise hohe Wahlbeteiligung. 34 457 von 95 172 Wahlberechtigten gaben einen Stimmzettel ab. Die Quote liegt mit 36,2 Prozent um 10,8 Punkte höher als 2012. Für eine Landratswahl ein durchaus beachtlicher Wert. Auch vor sieben Jahren musste Wulfänger in ein Duell mit einem SPD-Mann gehen und setzte sich knapp gegen Lars Schirmer durch. Die Wahlbeteiligung in der Stichwahl damals: magere 16,3 Prozent. Zudem blieben Vorwürfe, die Landratswahl könnte manipuliert gewesen sein.

Im Lager von Puhlmann herrschte gestern Abend pure Freude. Der Sozialdemokrat zur AZ: „Ich bin glücklich und natürlich fit für die zweite Runde.“ Amtsinhaber Wulfänger zeigte sich im AZ-Gespräch enttäuscht und kämpferisch zugleich: „Ich hätte mir schon jetzt ein besseres Ergebnis gewünscht, na klar. Doch nun gilt es, noch einmal alle Kräfte zu bündeln und am Ende als Sieger dazustehen.“ Bausemer gab sich dennoch zufrieden: „Auch wenn ich aus dem Rennen bin, haben wir als AfD unser Ergebnis von der Kreistagswahl im Mai noch einmal leicht steigern können.“ Dass die Wahlbeteiligung gestiegen ist, werten alle drei Kandidaten als Erfolg.

Dass keiner der Konkurrenten auf Anhieb mehr als die Hälfte aller Stimmen holen und niemand den direkten Durchmarsch schaffen wird, zeichnete sich gestern Abend recht frühzeitig ab. Kurz nach 18 Uhr gingen die ersten Ergebnisse im Kreiswahlbüro in Stendal ein. Die Zahlen aus Neukirchen und Wendemark lagen als erste vor. Anfangs wechselte immer noch einmal die Führung zwischen Puhlmann und Wulfänger. Die Anhängerschaft aller drei Bewerber schien so manchem vor dem Urnengang ähnlich groß. Letztendlich schaffen es jene Bewerber in die zweite Runde, die zusätzliche Unterstützung bekamen.

CDU-Landrat Wulfänger hat im Kampf um seine zweite Amtszeit zusätzlichen Rückenwind durch Pro Altmark, eine parteiunabhängige Gruppe. Puhlmann ist gemeinsamer Kandidat von SPD, Linke und Bündnis 90 / Die Grünen. Zudem stellte sich die FDP hinter den Sozialdemokraten. Bausemer und die AfD standen allein in weiter Flur. Im Kreistag verfügt die rechtskonservative Partei über etwas mehr als 15 Prozent der Sitze.

Was das alles für die Stichwahl bedeutet, muss sich zeigen. Die Gemengelage hat sich noch einmal verändert. Die AfD könnte eine Wahlempfehlung geben. Dass Bausemer-Wähler in Größenordnung noch einmal an die Wahlurne treten und einem anderen ihre Stimme geben, ist so sicher natürlich nicht. Puhlmann und Wulfänger haben nun drei Wochen Zeit, die Menschen von sich und ihren Zielen zu überzeugen.

VON MARCO HERTZFELD 

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