Kreischef Schulenburg sieht tiefen Schlag / Schulz (PA): Opfer des Skandals

Landrats-Aus lässt Stendaler CDU stärker taumeln

+
Die Landratswahl ist gelaufen, Parteien und Bewerber ziehen Bilanz.

Stendal – „In jeder anderen Partei würde es nun ordentlich scheppern.“ Einbußen bei den Kommunalwahlen im Mai, der Verlust zweier Bürgermeister im Streit um die richtige Aufarbeitung des Wahlskandals von 2014 und nun das Aus ihres Landrates: Nico Schulz, Vorsitzender der Pro Altmark (PA), sieht die CDU an einem Scheideweg.

„Ich bin gespannt, welche Konsequenzen die Niederlagen im Landkreis haben werden“, sagt das frühere CDU-Mitglied gegenüber der AZ. Dass Amtsinhaber Carsten Wulfänger in der Stichwahl gegen Patrick Puhlmann (SPD) verloren hat, enttäusche die PA allerdings auch.

Die nicht zuletzt wegen des innerparteilichen Streits um die Wahlaffäre gegründete PA hatte CDU-Mann Wulfänger unterstützt, für manchen Bürger vielleicht überraschend. „Herr Wulfänger hat für uns weiterhin nichts mit den Ereignissen von vor fünf Jahren zu tun, er ist nicht dafür verantwortlich. Doch die Menschen haben selbst uns das nicht geglaubt. Für mich ist der scheidende Landrat ein Opfer des Wahlskandals“, meint Schulz, der wie sein Seehäuser Amtskollege Rüdiger Kloth bis vor Kurzem noch ein CDU-Parteibuch besaß.

„Das Wahlergebnis ist ein tiefer Schlag, denn es spiegelt in keiner Weise die vielen positiven Erfolge von Carsten Wulfänger in den letzten Jahren wider“, ist Chris Schulenburg überzeugt. Der CDU-Kreisvorsitzende sieht eine „politische Gemengelage“, die im Wahlkampf eine Rolle gespielt hätte. „Der Wahlskandal von 2014 war da aber nur ein Punkt von vielen.“ Die umstrittene Personalie Rainer Wendt, einen Polizeigewerkschafter, der zum Staatssekretär in Magdeburg avancieren sollte, habe seine Partei als Thema „noch gratis dazubekommen, was auch nicht besonders hilfreich war“. Von personellen Konsequenzen in der Kreisspitze ist bislang nicht die Rede.

Die Christdemokraten wollen es nicht beim Wundenlecken belassen und auf Kreis-, Landes- und Bundesebene die Themen besprechen. Wulfänger, der im März das Zepter als Landrat abgeben muss, habe trotz allem und weiterhin einen „hohen Stellenwert in der Partei“, beteuert CDU-Kreischef Schulenburg auf AZ-Nachfrage. „Seine kommunalpolitischen Erfahrungen sind für uns besonders wichtig, deshalb wird er auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei uns in der Partei spielen.“

AfD-Kreissprecher Ulrich Siegmund zieht diese Bilanz: „Das deutliche Ergebnis ist in erster Linie ein Signal gegen den Kurs der Stendal-CDU.“ Sie habe die Wahlaffäre „in den eigenen Reihen nicht aufgearbeitet“. Puhlmann sei „gleich für vier Parteien ins Rennen“ gezogen. „Dies zeigt die politische Beliebigkeit der linken Parteien und der FDP.“ Puhlmann ist von SPD, Grünen und Linken getragen sowie von den Liberalen unterstützt worden. AfD-Kandidat Arno Bausemer hatte es nicht in die zweite Runde geschafft.

VON MARCO HERTZFELD

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare