Kandidaten nach der Wahl / Juliane Kleemann (SPD): „Es werden Minderwertigkeitskomplexe gepflegt und das haben wir nicht nötig als Altmärker“

Landkreis Stendal: Vier für Magdeburg

Wahlhelfer zählen Briefwahlstimmen aus.
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Zuerst sortieren dann auszählen: Die ehrenamtlichen Helfer haben in 15 Räumen die per Brief abgegebenen Stimmen gezählt.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Neben der gewählten Direktkandidatin Xenia Schüßler (CDU) schickt der Wahlkreis Stendal drei weitere Abgeordnete nach Magdeburg. Ob es in diesem Fall die Menge macht, steht nicht für alle fest.

Stendal – Vier Kandidaten kann der Wahlkreis Stendal nach Magdeburg entsenden. Dass ihr persönliches Ergebnis etwas schwächer war, als das ihrer Partei stört Xenia Schüßler (CDU) nicht weiter. Sie sei eine Newcomerin und würde das Resultat nicht auf sich herunterbrechen. „Ich hatte den Anspruch nicht gegen die AfD zu verlieren und das hat geklappt“, erläutert Schüßler. Es sei ein spannender Wahlabend gewesen, der ein glückliches Ende genommen habe. Trotzdem habe sie nur schlecht geschlafen: Die Aufregung war einfach zu groß. Aber es sei alles gut: „Das Endergebnis zählt.“

Ob die recht große Zahl an Abgeordneten aus dem Wahlkreis sich als Vorteil für die Altmark erweisen werde, könne sie noch nicht beurteilen. Das hänge davon ab, ob die gleichen Interessen vertreten werden. Wenn mehrere Stimmen für eine Sache eintreten, sei das eine gute Sache. Für ihre Arbeit in der Stadtpolitik bedeute ihre neue Funktion im Landesparlament natürlich keine Änderung. „Es würde ja keinen Sinn machen, die Stadt zu verlassen, die einem die Wahl erst ermöglicht hat“, stellt Schüßler fest.

Der Zweitplatzierte Matthias Büttner (AfD) wird über seinen Listenplatz ebenfalls die Altmark in Magdeburg vertreten. „Die Freude überwiegt die Enttäuschung“, stellt er zum Wahlergebnis fest. Natürlich sei es schöner gewesen, vor Ort das Direktmandat zu gewinnen, aber enttäuscht sei er deswegen nicht. Ob eine große Menge an Abgeordneten aus der Altmark einen Vorteil in der Landespolitik bringen würde, wolle er nicht bewerten. Er sei davon überzeugt, dass es sich ähnlich wie in der Bundespolitik verhalte: Bei einer reduzierten Menge von Abgeordneten würden die Entscheidungen wohl dieselben bleiben.

Juliane Kleemann (SPD) kann über die Landesliste ihrer Partei in den Landtag einziehen. Dass ihr persönliches Ergebnis besser war, als das der SPD in Stendal sei keine Überraschung – 2016 sah es ähnlich aus. „Der Name und die Bekanntheit sind doch etwas anderes, als die Partei, die dahinter steht“, erklärt sie. Für die SPD als „Programmpartei“ sei es schwierig gewesen, sich zu positionieren, obwohl sie in der letzten Legislaturperiode viele Themen eingebracht habe. „Wir waren extrem fleißig, haben viel gemacht und viel erreicht. Es kommt aber nicht auf unsere Haben-Seite“, sagt Kleemann. Stattdessen sei dies dem Ministerpräsidenten angerechnet worden. Auch habe er sich als „Bastion gegen Rechts“ in Szene gesetzt. Diese Haltung stehe jedem Demokraten gut, aber in der Folge seien die Inhalte zu kurz gekommen. In der Feststellung, eine Position abzulehnen, rückten die Lösungsvorschläge für akute Probleme in den Hintergrund.

Ob die Altmark von einer großen Zahl Abgeordneter profitieren könne, hänge auch von diesen selbst ab. Das funktioniere nur, wenn diese auch wüssten, dass sie nur dann gute Ergebnisse für die Altmark nach Hause bringen, wenn sie das ganze Land im Blick haben. „Wir sind keine Insel. Es wird immer gepflegt, dass die Altmark nicht gesehen wird“, erläutert Kleemann. Zukünftig sollte lieber auf das Entwicklungspotenzial geschaut werden und konstruktive Landespolitik, auch für die Altmark, mitgestaltet werden. Alternativ könne man weiter auf der Defizitwelle reiten. „Destruktiv macht es keinen Spaß. Es werden Minderwertigkeitskomplexe gepflegt und das haben wir nicht nötig als Altmärker.“

Dorothea Frederking (Bündnis 90/Die Grünen) konnte ihren Platz über die Landesliste behaupten. Das lokale Ergebnis bleibt jedoch hinter dem landesweiten zurück. Auch sie ordnet das gute Abschneiden der CDU dem „Zweikampf“ zwischen Ministerpräsidenten und AfD zu. Die Christdemokraten hätten gut mobilisieren können. Dass das Wahlergebnis für ihre Partei jedoch so schwach ausfallen würde, damit hätte sie dennoch nicht gerechnet. Viele Abgeordnete aus der Region im Landesparlament vertreten zu haben, sei natürlich von Vorteil. Viele Themen des Klimaschutzes wie der Ausbau erneuerbarer Energien, Tierhaltung und Landwirtschaft seien Themen des ländlichen Raumes. An der weiteren Bearbeitung dieser Themen wolle sie weiter festhalten. Auch wenn diese im aktuellen Wahlkampf scheinbar nicht so gezogen hätten.

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