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Landkreis Stendal: Mögliches Endlager besorgt Altmärker

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Von: Stefan Hartmann

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Personen sitzen im Sitzungssaal Stendal des Stendaler Landratsamtes und hören bei einem Vortrag zu.
Rappelvoll ist der Sitzungssaal im Stendaler Landratsamt nicht. Dennoch sind fast 30 Interessierte vor Ort, um mehr über die Endlagersuche zu erfahren. © Hartmann, Stefan

Ein Endlager für Atommüll möchte vermutlich niemand in der Nachbarschaft haben. Ob es in der Altmark landen könnte, ist noch unklar. Um die ersten Sorgen zu beschwichtigen, besuchte das zuständige Bundesamt Stendal. 

Stendal – „Gegenwind“, so antwortet Dr. Ingo Bautz auf AZ-Nachfrage, „erwarte ich nicht“. Stattdessen hoffe er auf Fragen, um Antworten geben zu können, erklärt der Leiter des Fachgebiets Information und Bürgerkommunikation des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), vor seinem Vortrag im Stendaler Landratsamt. Ziel sei es nicht, die Landkreisbewohner darauf vorzubereiten, dass sie möglicherweise in Zukunft mit einem Endlager in der Region leben müssen – auch wenn dieses Ergebnis der Standortsuche derzeit noch nicht ausgeschlossen werden kann – sondern ihnen die Möglichkeiten der Beteiligung aufzuzeigen und Vertrauen in das wissenschaftliche Auswahlverfahren aufzubauen.

Dafür wünschte sich Uwe Lenz, Bürgermeister von Meßdorf, von Bautz einen langen Atem und Geduld. Nicht nur er, auch die Bürger aus Ort und Ortschaften fürchteten um die Wertigkeit der Region, die unter dem Endlager Standort leiden könnte. Zwar gebe es auch einige vereinzelte Stimmen, die sich darauf freuen – und unter anderem in diesem Zug auf einen Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs hoffen – aber die Sorge überwiege doch, erklärt Lenz. Sonderlich viel Wertiges habe die Region nämlich nicht. Doch sie verfüge über wertvolle Natur und gute Böden, die beide von einem Endlager gefährdet werden könnten. Aus der Sorge um diese Bestandteile der altmärkischen Heimat wüchsen auch Ängste der Bürger, die ernst genommen werden müssten. Vor dem Dialog mit den Meßdorfern wolle sich das BASE nicht verstecken. Bei Bedarf und Interesse würde Bautz auch für Informationsveranstaltungen im Ort selbst vorbeischauen, damit die Bürger ihre Sorgen äußern, Fragen stellen und am Findungsprozess teilhaben.

Eine politische Einflussnahme solle jedoch nicht möglich sein, erläutert Bautz den Vorgang. Es solle nach geologischen Standpunkten der beste Ort für ein Endlager gefunden werden. Einen perfekten Standpunkt gebe es dabei vermutlich niemals – und damit auch keine eindeutige Garantie, dass ein Endlager die geplante eine Million Jahre hält. Das fange schon bei den verschiedenen Steintypen an, die als mögliche Endlagerstätten infrage kommen. Jeder habe dabei seine eigenen Vor- und Nachteile.

Am Ende des gesamten Prozesses solle dann ein Endlager stehen – an einem bisher noch unbekannten Standort. Das sei ein Fakt, mit dem man sich letztendlich abfinden müsse, erinnerte auch Landrat Patrick Puhlmann (SPD). Die Entscheidung, dass ein Endlager gebaut werden müsse, sei bereits mit dem Bau der ersten Atomkraftwerke getroffen worden. Und auch wenn niemand auf ein Endlager in der Altmark hoffe, so sei doch eine Option noch schlimmer: Gar keinen Endlagerstandort finden.

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