Rettungsdienst-Mitarbeiter sorgen sich um berufliche Zukunft

Landkreis Stendal: Johanniter warnen vor Zweiteilung

Personen in Rettungsdienstuniform stehen mit Plakaten auf einem Gehweg.
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Die Johanniter warnen bei ihrer Kundgebung vor den Folgen einer Ausschreibungsänderung.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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In Zukunft soll es mindestens zwei Anbieter für den Rettungsdienst im Landkreis geben. Über diese Änderung der Ausschreibung berät der Kreistag am Donnerstag. So lange wollten die Johanniter nicht warten: Sie warnten gestern Vormittag vor dem Landratsamt vor den Problemen, die das mit sich bringe.

Stendal – „Sollte es zu diesem fragwürdigen Vergabefahren kommen, würde dies für mich und meine Kollegen bedeuten, dass all das, was in Jahrzehnten entstanden ist, Risse bekommt und verschwindet“, warnt Notfallsanitäter und Ortsbürgermeister von Kleinau Sven Schottenhamel vor den sich anbahnenden Änderungen im Vergabeverfahren für den Rettungsdienst. Rund 60 Personen von der Johanniter-Unfall-Hilfe und Beteiligte am Rettungsdienst nahmen am Montagmorgen an der Kundgebung direkt vor dem Fenster des Landrates Patrick Puhlmann teil. Sollte der Kreistag beschließen, dass die zwei Lose für den Rettungsdienst zwangsläufig an zwei Anbieter vergeben werden müssen, hätte das nicht nur große Auswirkungen auf die Beschäftigten der Johanniter, sondern auch auf den Rettungsdienst im Allgemeinen – fürchten die Kundgebungsteilnehmer.

Johanniter-Auszubildende Johanna Mikulla befürchtet, „Dass es keinen Platz mehr für die Auszubildenden geben wird und sie nach ihrer Ausbildung nicht mehr übernommen werden können.“

Eines der Themenfelder, das nach Ansicht der Johanniter Risse bekommen würde, wäre die Nachwuchsgewinnung. Der Fachkräftemangel ist auch im Rettungsdienst ein Problem. Nicht nur in der Altmark, sondern deutschlandweit, erklärt Alexander Mikulla, Rettungssanitäter in leitender Funktion. Derzeit gebe es in der ganzen Republik rund 900 ausgeschriebene Stellen und die Altmark ist mittendrin im Kampf um die begehrten Bewerber. Mit deren Aufteilung in zwei Lose bei zwei Anbietern würde es zu einem Wettbewerb um das Personal kommen. Was im ersten Moment nach einer möglichen Verbesserung für die Arbeitnehmer klingt, könne schnell ins Gegenteil kippen, erläutert Mikulla. Schließlich müssten sich die Anbieter auch gegenseitig bei der Ausschreibung schlagen. Letztendlich könnte damit weniger Geld in den Taschen der Rettungsdienstler landen.

Johanniter-Auszubildende Maxi Borstel sorgt sich darum, „Dass am Ende die Patienten darunter leiden, wenn es Spannungen wegen der Zukunfts-Unsicherheiten im Team gibt.“

Aktuell beschäftigen die Johanniter 28 Auszubildende. Wird künftig nur noch die Hälfte des Gebietes abgedeckt, sinke auch deren Zahl. Eine Übernahme könne nicht mehr garantiert werden. Das trage ebenfalls dazu bei, den Ausbildungsstandort zu schwächen. Gerade für willige Auszubildende aus Ballungsräumen sei die Entscheidung, in die Altmark zu kommen, nicht immer leicht. Gerade beim Dienst in kleineren Rettungswachen mit vergleichsweise weniger praktischen Lernerfahrungen könnten weitere ungünstige Faktoren zu Probleme führen, stellt Notarzt Dr. Walter Fiedler fest. In seiner Zeit habe er schon viele Ausschreibungen erlebt, die immer wieder zu Unsicherheiten geführt hätten. Jetzt stehe der Landkreis wieder an so einer Stelle. „Bestehende Strukturen sollten nicht einfach über den Haufen geworfen werden“, richtet er seinen Appell an die Mitglieder des Stendaler Kreistages. „Das gegenwärtige System hat sich bewährt: Die Johanniter haben sich bewährt“, erklärt Fiedler.

Johanniter-Auszubildender David Tyllack schätzt, „Dass die Versorgung aufgrund der Trennung leidet, wenn für die Hälfte des Gebietes zwangsläufig ein schwächerer Anbieter ein Los erhalten muss.“

Peter Ruppert, Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe, zeigte sich enttäuscht. Zunächst habe er sich gefreut, dass der Landrat zur Kundgebung gekommen war. Dass er jedoch nur gesagt habe, dass er wenig Zeit hätte und nicht sprechen werde, damit habe er nicht gerechnet. Informationen dazu, wieso das Vergabeverfahren geändert werden soll, hätten ihn insbesondere gefreut. „Wir sind in die Vorbereitung nicht eingebunden“, erklärt Ruppert. Nicht nur er, auch die Beschäftigten stellten sich jetzt Fragen, die nicht geklärt werden können. „Wir wissen nur um die Sorgen und Ängste. Und in meiner Fantasie kann ich keinen Grund für die Umstellung finden“, sagt Ruppert. Das ein Vergabeverfahren geführt werden müsse sei „klar“, aber dass es an Bedingungen gebunden wird, dass der beste Anbieter trotzdem nur einen Teil zugesprochen bekommt halte er für schwierig. Er befürchtet, dass mit diesem Schritt das gut funktionierende System vergangenen Jahre kaputtgemacht wird. „Ich sehe die Versorgung in Gefahr“, sagt Ruppert deutlich. Er wolle nicht, dass in Zukunft möglicherweise jemand die 112 wählt und niemand kommt, weil Personal fehlt.

Eine Stellungnahme des Landkreises lag zu Redaktionsschluss nicht vor.

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