Für den Katastrophenfall

Landkreis Stendal investiert 192.000 Euro in neue Kommandozentrale

Stabsleiter Sebastian Stoll (r.) erläutert den Stabsmitgliedern und Experten die Funktionen der Kommandozentrale.
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Stabsleiter Sebastian Stoll (r.) erläutert den Stabsmitgliedern und Experten die Funktionen der Kommandozentrale.

Stendal – 1000 Meter Kabel. Mehrere Whiteboards, Beamer und PCs füllen die neue Kommandozentrale des Katastrophenschutzes, die gestern eingeweiht wurde.

Nur eins ist neben einigen Flipcharts noch ganz analog: Der Stabsleiter ruft die Experten mit einer kleinen Glocke zu Besprechungen.

Die ist momentan noch eine Leihgabe der Kreistagsvorsitzenden Annegret Schwarz. An alles habe man gedacht, nur an eine kleine Glocke nicht, verriet Landrat Carsten Wulfänger. Die werde aber demnächst noch gekauft, damit Schwarz bei Sitzungen wieder zur Ordnung rufen kann.

Die letzte Katastrophenlage im Landkreis Stendal liegt mit dem Hochwasser 2013 bereits sieben Jahre zurück. Um im Ernstfall gut auf derartige Gefahrensituationen reagieren zu können, wurde gestern nach dreimonatiger Bauzeit eine neue Kommandozentrale des Katastrophenschutzstabes im Ordnungsamt an der Wendstraße eingeweiht. Zuvor tagte der Kommandostab in Beratungsräumen – eine eigene Zentrale gab es nicht. Im Bedarfsfall wurde der Sitzungssaal im Landratsamt zu einer provisorischen umgebaut. Die dazu notwendigen Arbeiten wie das Aufbauen von Rechnern und Arbeitsplätzen kann zwischen zwölf und 24 Stunden dauern. Deshalb hat der Landkreis 192 000 Euro investiert, und jetzt eine dauerhafte Lösung direkt neben der Leitstelle Altmark geschaffen. In besonderen Fällen wird aber auch wieder auf die Lösung im Landratsamt zurückgegriffen werden.

„Bei dem Hochwasser 2013 hatten wir zeitweise 60 Personen im Raum“, erklärt Stabsleiter Sebastian Stoll. Solche Ansammlungen wären auch in der neuen 102 Quadratmeter großen Zentrale nicht möglich. Je nach Notlage werden die entsprechenden Experten von Feuerwehr, Rettungsdienst, Bundeswehr und weiteren Diensten angefordert, um die Verwaltungsmitarbeiter mit Fachkenntnissen zu unterstützen. Wenn erneut ein solcher Fall eintreten sollte, kann aber in der neuen Zentrale sofort die Arbeit begonnen werden. Wenn es sich abzeichnet, dass mehr Platz benötigt wird, kann dies im Landratsamt wieder binnen 24 Stunden eingerichtet werden. Der Wechsel erfolgt dann innerhalb von nur 15 Minuten.

Auch wenn Katastrophenfälle nur selten eintreten, wird der Raum dennoch häufig genutzt werden. Mindestens einmal pro Woche wird der Stab, bestehend aus mindestens sechs Personen, die an den großen Tischen Platz nehmen, üben. Daran beteiligt sind im Wechsel 200 Mitarbeiter, die zur Stabsarbeit berufen sind. Weitere 80 befinden sich derzeit in Ausbildung. Nach Angaben des Landrates sind rund 250 Personen notwendig, um bei länger anhaltenden Schadenslagen die Zentrale zuverlässig rund um die Uhr besetzen zu können. „Blaulicht ist immer teuer“, erklärt Stoll. Das treffe auch für Feuerwehrfahrzeuge zu, die ebenso wie der Kommandoraum für den Notfall vorgehalten werden müssen.

Zufrieden ist auch Viola Joswig-Lemme vom Hochbauamt des Landkreises, die die Einrichtung als Projektleiterin betreut hat. Die Zusammenarbeit mit den fünf regionalen Firmen für die technisch anspruchsvolle Zentrale habe gut funktioniert und so einen zügigen Abschluss ermöglicht.

VON STEFAN HARTMANN

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