Hubschrauber fliegen ab April

Landkreis Stendal blättert rund 400.000 Euro für Spinnerbekämpfung hin

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Der lästigen Spinnerraupe mit ihren giftigen Brennhärchen soll der Garaus gemacht werden.

Stendal – Schmerzende Hautausschläge und Juckreiz können das Ergebnis sein, wenn ein Mensch mit den giftigen Härchen des Eichenprozessionsspinners in Kontakt kommt. Auch dem Eichenbestand in Wäldern und Parks setzen die Raupen stark zu.

Seit Jahren bekämpft der Landkreis die Tierchen sowohl aus der Luft als auch vom Boden aus. Insgesamt 400.000 Euro (brutto) werden in diesem Jahr im Landkreis fällig, der kommunale Eigenanteil liegt bei etwa 25 Prozent.

Besonders betroffen sind laut Dr. Denis Gruber, Erster Beigeordneter des Landrats, diverse Ortslagen in der Verbandsgemeinde Seehausen, der Elberadweg sowie einige Waldgebiete zwischen Tangerhütte und Weißewarte. Auch im Raum Havelberg ist die Spinnerplage ein großes Thema.

Ab April befliegen Hubschrauber wieder schädlingsbefallene Gebiete im Landkreis. Zum Einsatz kommt ein Biozid, das erst im Dezember zugelassen worden ist.

Voraussichtlich Ende April werden im Gebiet des Kreises wieder Hubschrauber im Auftrag der Spinnerbekämpfung unterwegs sein, gab Gruber bei der Sitzung des Kreis-Umweltausschusses am Dienstag bekannt. Für die Befliegung der verschiedenen Areale sei vor allem gutes Wetter wichtig. Nicht etwa, weil die Mitarbeiter der zuständigen Firma lieber bei Sonnenschein arbeiteten – in Deutschland hat sich nur ein einziges Unternehmen auf die Bekämpfung der Spinner aus der Luft spezialisiert – sondern weil die Wirkung des eingesetzten Biozids von Wind und Regen beeinträchtigt werde.

Die Chemikalie wurde übrigens erst vergangenen Dezember vom Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners freigegeben, die Zulassung gilt für die nächsten zehn Jahre. Wenn es soweit ist, werde der Landkreis über den Einsatz in den entsprechenden Gebieten detailliert informieren, kündigt Gruber an. „Insgesamt wurden im Landkreis etwa 755 Hektar für die Befliegung angemeldet“, erklärt der Vize-Landrat – darunter Alleen, Parks und Waldflächen.

Ist der Einsatz der Hubschrauber beendet, folgt unmittelbar im Anschluss die Bekämpfung mit Hochleistungssprühgeräten vom Boden aus. Dieser Eingriff beginnt Anfang Mai und soll laut Verwaltung zwei bis drei Wochen dauern. Meldungen über 13 500 befallene Einzelbäume sind für diese Maßnahme beim Landkreis eingegangen.

„Erst zwei Monate später sind die Nester des Schädlings komplett ausgebrütet“, so Gruber auf AZ-Nachfrage. Weil sich die Brennhaare der giftigen Raupe bis zu fünf Jahre an den Baumrinden halten können, steht im Juli/August daher der dritte Schritt zur Spinner-Beseitigung an: die mechanische Bekämpfung. Dabei werden die Nester der Raupe von den Bäumen abgesaugt, 1400 Bäume werden hier in den Fokus genommen.

Die Zuschläge für alle drei Maßnahmen wurden bereits Anfang März erteilt. Als nächstes soll gemeinsam mit den Einheits- und Verbandsgemeinden festgelegt werden, wo die Hubschrauber landen dürfen und wer für die Wasserbereitstellung verantwortlich ist.

Trotz einer intensiven Bekämpfung der lästigen Raupe wächst die Population dieser Tiere offenbar von Jahr zu Jahr. Erneut hat das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration für die Bekämpfung der Spinner in Sachsen-Anhalt Mittel in Höhe von zwei Millionen Euro locker gemacht. Diese zusätzlichen Gelder sollen den Landkreisen eine flächendeckendere Bekämpfung ermöglichen. Es bleibt die Hoffnung, dass den Spinnern einmal vollständig der Garaus gemacht werden kann.

VON CHARLOTTA SPÖRING

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