Mifa-Klapprad vor 50 Jahren zum ersten Mal präsentiert

Massenware aus DDR-Zeiten: Kult-Klappi feiert Jubiläum

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Verspottet und doch der beste fahrbare Untersatz, wenn man zu DDR-Zeiten schnell zum Bäcker wollte: Das Mifa-Klapprad.

Stendal. Unter kaum einem Hintern hat es gefehlt. Und doch war das Mifa-Klapprad nicht sehr beliebt. „Da fährt man wie ein Affe auf einem Schleifstein“, lautet unter anderem ein Spottspruch über das Zweirad.

Heute ist es zum Kultobjekt avanciert – 50 Jahre nachdem die Mitteldeutschen Fahrradwerke es auf der Frühjahrsmesse im März 1967 vorgestellt haben.

Sammelt Zweiräder aus der DDR: Roland Neumann.

301 Mark kostete das Modell 901, mit dessen Herstellung das Unternehmen einem internationalen Trend folgte. Ausgestattet war es mit Gepäckträger über dem Hinterrad, Keil- oder Glockentretlager und Stempelbremse (die Bremsbacke hat von oben wie ein Stempel auf den Reifen gedrückt), zusammengeklappt passte es in jeden Kofferraum. „Für lange Strecken war das Klapprad nicht gedacht“, sagt Roland Neumann. Der Zweiradmechaniker ist seit 30 Jahren dafür zuständig, dass sich in Stendal die Räder drehen und sammelt unter anderem die DDR-Kulträder. „Die Leute haben die ‘Klappis’ hauptsächlich mit in den Campingurlaub genommen, um kurze Strecken zum Bäcker oder Kiosk zu fahren“, sagt Neumann. Bei der Produktion sei Qualität kein Kriterium gewesen, vielmehr sollte das Rad Massenware sein, die zu einem günstigen Preis hergestellt und ohne Wartezeiten verkauft werden sollte. Besonders deutlich wurde die zweifelhafte Qualität an dem Scharnier, das Vorder- und Hinterteil zusammenhält. „Bei Wartungen haben wir es häufig verschweißt“, sagt Neumann. Das Rad war danach zwar nicht mehr klappbar, der eigenen Gesundheit zuliebe war das aber wohl eher ein unbedeutender Nachteil. Denn ein sicheres Scharnier ermöglichte eine sichere Fahrt.

Wer sich lieber die Luxusvariante mit Felgenbremse (die Bremsbacken greifen an der Felge) und zusätzlichem Gepäckträger über dem Vorderrad leisten wollte, konnte das ab 1976 mit dem Modell 904. „Das war zwar nicht wesentlich bequemer als das erste Modell, aber mit der Felgenbremse etwas sicherer“, sagt Roland Neumann. Bis zum Produktionsstop 1990 sind rund drei Millionen Klappräder über das Produktionsband der Mitteldeutschen Fahrradwerke gerollt.

Wer heute ein Mifa-Rad kaufen möchte, sollte sich im Internet auf die Suche nach dem Sammlerobjekt machen, denn in Fachgeschäften gibt es sie nicht mehr zu kaufen. „Mit 150 bis 200 Euro für ein Klappi muss man schon kalkulieren“, sagt Neumann.

Unter dem Namen Mifa Bike Gmbh besteht das Unternehmen bis heute. Erst im Dezember hat der Fahrradhersteller ein neues Werk in Betrieb genommen. 17 Millionen Euro sind von insgesamt drei Quellen in den Neubau in Sangerhausen inverstiert worden. Zwölf Millionen Euro stammen aus Bankkrediten, 2,85 Millionen Euro vom Land Sachsen-Anhalt, den Rest hat die Inhaberfamilie Nathusius beigesteuert.

Im Januar hingegen meldete das Unternehmen Insolvenz an. „Schon zum dritten Mal“, sagt Neumann. Der Neubau soll laut Angaben der Mitteldeutschen Zeitung nicht zur Insolvenzmasse gehören.

Von Gabriela Grau

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