Suppe nach altem Rezept

Küchen-Gourmets machen sich Maikäferplage zunutze

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STENDAL/DOLLE - Die Maikäferplage in Teilen der Colbitz-Letzlinger Heide lockt derzeit Küchen-Gourmets auf den Plan: Sie kochen nach altem Rezept eine deftige Maikäfersuppe. „Dazu werden pro Person etwa 30 Maikäfer benötigt“, wie Öko-Feinschmecker Emanuel Walter der AZ verriet.

Walter ist Naturschützer im Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt mit Sitz in Dolle.

Dort, südlich von Stendal, gibt es derzeit am Landsberg nahe Lüderitz an der Bundesstraße 189 eine Maikäfer-Massenplage. „Rund 100 Hektar Wald sind betroffen und 40 Prozent der jungen Buchen sind durch Maikäferfraß geschädigt“, bestätigt Rainer Aumann, Chef des zuständigen Bundesforstbetriebes. Das Problem sei jedoch überschaubar, hieß es.

Während die Engerlinge des Großkäfers den Wurzeln zu Leibe rücken, fressen die Maikäfer die jungen Blätter und Triebe ab. Emanuel Walter macht aus dieser Not eine küchentaugliche Tugend: Zum Sammeln der Maikäfer benutzte schon Großmutter die so genannte „Regenschirm-Technik“: Dabei wird der verkehrt herum gehaltene Schirm unter den vom Käfer befallenen Baum gehalten. Beim Schütteln der Äste landen die Krabbeltiere im Behälter.

Öko-Koch Walter röstet die fetten Maikäfer in Butter an, entfernt Beine und Flügel, zerstößt sie mit dem Mörser und gart sie anschließend in Hühnerbrühe. Dann wird die Suppe, die ein deftiges Nussaroma entwickelt, passiert und mit Mehlschwitze sowie Eigelb gebunden. Etwa alle 20 Jahre kommt es bei den Maikäfern zu einer Massenvermehrung. Die Käfer selbst machen sich zurzeit an den jungen Blättern der Buchen, Eichen und Birken zu schaffen. „Die Triebe wachsen im Laufe des Sommers nach. Viel mehr Sorgen machen uns die Engerlinge im Boden, welche die Wurzeln beschädigen“, so Aumann.

Der Maikäfer gehört zu den Blatthornkäfern und kommt als Feld- und Waldkäfer vor. Bemerkenswert sind die Fühlerplättchen der Männchen, welche rund 50 000 Geruchsnerven haben. Nach Beendigung der Metamorphose gräbt er sich im April/Mai aus dem Boden und beginnt mit dem Flug. Bis zu 100 Eier werden in den Boden abgelegt. Das Männchen stirbt nach der Begattung, das Weibchen nach der Eiablage, weshalb der Blattfraß bald beendet ist. Nach fünf Wochen schlüpfen die Engerlinge. - cz

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