Kritikwürdiges attackieren

Eine erfreuliche Ensembleleistung traf zu Recht den Nerv der Zuschauer mit diesem problemreichen Stück.

hh Stendal. Erfolg für die Akteure der Theater-AG der Fachhochschule. Das Drama „stupid life“ stieß auf großen Beifall in Stendal. Am heutigen Donnerstag gibt es die zweite Vorstellung, ab 20 Uhr im „Projekt 7“ auf dem Magdeburger Campus zu sehen.

„Stupid life“ nennt Autor Stefan König, angehender Kindheitswissenschaftler, sein nunmehr drittes Stück für die Theater-AG der Fachhochschule Magdeburg-Stendal. Es hatte am Dienstagabend im übervoll besetzten Gerberhof seine umjubelte Premiere.

Peter Eden, Familienvater, dargestellt von Janko Claus, erzählt seine Familien- und Lebensgeschichte, eben „stupid life“. Dumm gelaufen – könnte man frei übersetzen, denn seine Ehe mit Verena (Judith Ivanovs) geht zunehmend in die Brüche. Sie haben sich beide an „Tisch und Bett“ nichts mehr zu sagen. Wenn trotzdem „Dialoge“ entstehen, dann sind es nervensägende Streitereien. Tochter Melissa (Judith Kittner) wird dabei mit hineingezogen und versucht zunächst bei ihrer Freundin Gegenliebe zu erhalten. Doch erst bei Nachbarssohn Walter Blick (Thilo Schlacks) findet sie allmählich Geborgenheit. Der wiederum dealt mit Vater Eden, während er vom eigenen Vater und Polizist (Norman Kleiber) mehrfach brutal geprügelt wird, wegen des Verkehrs „mit der da“. Verena Eden sucht ihr Glück schließlich bei ihrem Boss und Melissas Freundin versucht Peter Eden zu umgarnen. Ein Überdosis-„Schuss“-Joint macht dem aber ein Ende. Dumm gelaufen! Die beiden Liebenden aber werden versuchen, ihr Leben zu gestalten und eigene Wege gehen. Wenn der Tote quasi als Epilog „von Oben“ dann sein Leben doch noch als ganz in Ordnung rechtfertigt, klingt das wie Hohn auf die „irdische Handlung“ und setzt in satirischem Spott herbe Kritik an einem Gesellschaftssystem, in dem ethische Werte zu zerfallen drohen.

Das Studententeam hat die Fabel ohne viel äußeren Aufwand diszipliniert in der Regie des Autors und Thekla Pohler umgesetzt. Es entstanden realistische Szenen im Familienkreis, die mitunter etwas mehr in den Mittelpunkt hätten gerückt werden können. Die sich anbahnende Liebe zwischen Melissa und Walter haben beide Darsteller in poetisch glaubhafte Bilder gegossen, ohne in falsche Sentimentalität abzugleiten.

Alle Mitglieder stellten sich in den Dienst des Stückes, Kritikwürdiges zu attackieren. Beispiele: Der brutal schlagende Polizist und Vater, gespielt von Norman Kleiber, der nach außen den biederen Staatsbürger gab, in Wahrheit aber gewalttätig egoistisch auftritt. Oder Ehefrau Eden, Judith Ivanovs. Sie gestaltete ihre Figur sowohl kalt berechnend, als auch Liebe suchend ihren Gefühlen freien Lauf lassend.

Eine erfreuliche Ensembleleistung traf zu Recht den Nerv der Zuschauer mit dem problemreichen Stück und wurde am Ende auch mit reichlich Beifall belohnt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare