Verwalter kämpft mit Dieben, Brandstiftern, Zerstörungswütigen – und hofft dennoch auf Zukunft

Kriminelle plündern Ex-Militärzone

Zweckgebäude im Dornröschenschlaf, Alt-Tankstelle und Holzeinschlag: Wer von der Gardelegener Straße aus auf das Areal kommt, sieht nur einen Teil des weitläufigen Geländes, das reich an Bäumen ist. Einige von ihnen sind dieser Tage gefällt worden.
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Zweckgebäude im Dornröschenschlaf, Alt-Tankstelle und Holzeinschlag: Wer von der Gardelegener Straße aus auf das Areal kommt, sieht nur einen Teil des weitläufigen Geländes, das reich an Bäumen ist. Einige von ihnen sind dieser Tage gefällt worden.

Stendal. Auf den Wegen wuchert das Unkraut. In etlichen Ecken liegen Glas und alter Beton. Die Häuser sind mausgrau. Wo einst die Grenztruppen der DDR das Kommando hatten, führt nun an vielen Stellen der Verfall das Zepter.

Das Gelände an der Gardelegener Straße ist gut 36 Hektar groß. Es vom Boden ganz zu überblicken, scheint schier unmöglich. Technisches Hilfswerk, Zoll und einige wenige Firmen sind dort zu Hause. Platz wäre für deutlich mehr. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) bemüht sich um eine Zukunft für das Areal. „Ungefähr zwei Drittel der Gebäude sind ungenutzt. Beabsichtigt ist die weitere Vermietung und langfristig der Verkauf der Liegenschaft“, gibt sich Mitarbeiter Karl-Maria Seyb zuversichtlich. Und: Mit dem Autobahnbau könnte das Gebiet für Gewerbeansiedlungen interessant werden, was jedoch eine Änderung der städtebaulichen Planung voraussetzt.

Am Freitagmorgen loderten in einem der Gebäude Flammen (die AZ berichtete). Einige Jahre lang war dort Stendals Polizeidirektion untergebracht. Seit 2004 steht es ebenfalls leer. Ein Zimmer ist vollständig ausgebrannt. „Wir gehen wie die Polizei von Brandstiftung aus“, so Seyb. Nach ersten groben Schätzungen belaufe sich der Schaden auf annähernd 10 000 Euro. Die Feuerwehr muss immer wieder einmal an die Gardelegener Straße gerufen werden. Unter anderem wurde ein eingeschossiges Objekt derart geschädigt, dass es nicht wieder hergestellt werden konnte.

Mutwillige Zerstörungen gibt es in den verschiedensten Formen. Die Palette reicht von Einbrüchen und Diebstahl bis hin zur Sachbeschädigung. Neben regelmäßigen Einbrüchen wurden mittlerweile unter anderem sogar Erdkabel aus dem Boden gegraben, entkernt und sämtliche Elektroinstallationseinrichtungen in den 2002 sanierten Gebäuden entwendet. „Im letzten Jahr hat die Polizei Material, welches aus den Gebäuden entwendet wurde, wieder sicherstellen können.“ Derzeit wird das Gelände regelmäßig von der Polizei kontrolliert. „Aufgrund des Umfanges der Beschädigung müssen wir davon ausgehen, dass das Gelände gezielt zur Beschaffung von verwertbarem Material aufgesucht wird und dabei erhebliche Vandalismusschäden verursacht werden“, meint Seyb weiter.

Die BImA hat in Stendal auch noch mit einigen Altlasten zu tun. Im Bereich der einstigen Tankstelle und des Heizhauses gibt es Tanks mit teilweiser Restbefüllung. „Entsprechende Untersuchungen in dem betroffenen Bereich sind erfolgt. Maßnahmen zur Beseitigung einer möglichen Gefährdung werden demnächst veranlasst“, weiß der Mitarbeiter. Die BImA habe sich zu der zentralen Immobiliendienstleisterin des Bundes entwickelt. Mit einem Liegenschaftsvermögen von rund 21 Milliarden Euro sei sie eine der größten Immobiliendienstleisterinnen Deutschlands. In ihrem Eigentum befinden sich annähernd 480 000 Hektar Grundstücksfläche und 39 000 Wohnungen. Sie verwaltet mehr als 27 000 Liegenschaften.

Apropos liegen: Hunderte Bäume liegen dieser Tage um. Das Gelände ist kräftig durchforstet worden. Das Holz wird an die Holz verarbeitende Industrie verkauft, die daraus Bretter, Platten oder Papier macht. Das Restmaterial wird Seyb zufolge zerspant und zur Wärme- und Stromgewinnung verwendet.

Von Marco Hertzfeld

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