Männer-Trio kämpft am Wahlsonntag um den Landratsposten

Kreisfürst soll dynamisch sein

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Das Büro des Landrates befindet sich im historischen Teil der Landkreisverwaltung. Alte Schrift und ein Wappen an der Fassade sind kaum zu erkennen.

Stendal – Gesucht wird eine „dynamische und belastbare Persönlichkeit“. Auch ist die Rede von „Durchsetzungsvermögen und Organisationstalent“ sowie „hoher Leistungsbereitschaft“ und der „Fähigkeit, den Herausforderungen einer modernen, dienstleistungsorientierten Verwaltung innovativ zu begegnen“.

Wer öffentliche Ausschreibungen nicht allzu oft liest, könnte vielleicht meinen, in der von Anfang August suchte irgendeine Castingfirma den neuen Superman im Landkreis Stendal.

Neu zu besetzen ist am Sonntag die Stelle des Landrates. Und ja, der Job bringt durchaus ein gewisses Prestige mit sich und ist ganz gut bezahlt.

Ein Landrat wird von den Bürgern für die Dauer von sieben Jahren direkt gewählt und in das Beamtenverhältnis auf Zeit berufen. Je mehr Einwohner ein Landkreis hat, umso höher fällt der Verdienst des Landrates aus. In Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel leben an die 113 000 Menschen, damit wird das Amt des Stendaler Kreisfürsten in die Besoldungsgruppe B 5 eingestuft. Aktuell und laut einer Landestabelle im Internet dürften das monatlich 9070 Euro und ein paar Zerquetschte sein. Der Landrat ist verantwortlich für etliche Aufsichts- und Genehmigungsbehörden und insgesamt etwa 700 Mitarbeiter.

Carsten Wulfänger (CDU)Amtsinhaber

Drei Kandidaten steigen in den Ring. Amtsinhaber Carsten Wulfänger (CDU) hat Rückenwind durch seine Partei. Der Stendaler Wahlskandal von 2014 und der interne Streit um die richtige Aufarbeitung haben die CDU geschwächt, die Großmacht von einst hat bei der Kommunalwahl im Mai erheblich Federn lassen müssen. Inwieweit die Niederlage auf die Personenwahl abfärbt, wird sich zeigen. Dass Wulfänger Pro Altmark (PA) aktiv um Unterstützung gebeten hat und diese auch erhält, könnte die Fronten stärker verwischt haben. In der PA sitzen nicht zuletzt einstige CDU-Größen und Kritiker der Kreisspitze dieser Partei.

Patrick Puhlmann (SPD)Herausforderer

Zwei Herausforderer wollen eine zweite Amtszeit von Wulfänger verhindern. Patrick Puhlmann gilt manchem als politisches Leichtgewicht und der geht damit recht offensiv um. Der Sozialdemokrat verspricht frischen Wind und ist gemeinsamer Kandidat von SPD, Linke und Bündnis 90 / Die Grünen. Das Linksbündnis auf Zeit hat im Kreistag zusammen 15 Sitze, drei mehr als CDU und jeweils sieben mehr als AfD und PA. Inwieweit das ein Fingerzeig für den Urnengang übermorgen sein kann, bleibt natürlich abzuwarten. Eine Wahlempfehlung für Sozialdemokrat Puhlmann hat die FDP ausgesprochen.

Arno Bausemer (AfD)Herausforderer

Im Landratsamt an der Hospitalstraße Platz nehmen will auch Arno Bausemer, ein früherer Liberaler aus der ersten Reihe im Landkreis. Er wechselte vor etwa drei Jahren nach längerem Streit mit der Kreisparteispitze zur AfD. Inwieweit diese Partei im nördlichen Sachsen-Anhalt ihren Zenit erreicht hat, auch das wird sich am Sonntagabend ganz gut ablesen lassen. Zuletzt gehörten die AfD und ihr Rechtsausleger Björn Höcke zu den Gewinnern bei der Landtagswahl in Thüringen. Im Stendaler Kreistag bildet die AfD seit Mai neben Linkspartei und PA eine von drei gleich starken Fraktionen hinter jener der CDU.

Knapp 95  000 Wahlberechtigte können entscheiden, wer zum Zuge kommt. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Es bewerben sich Köpfe und keine Parteien um die Gunst der Wähler. Lager und Anhängerschaft scheinen in etwa gleich stark. Erreicht keiner der drei Bewerber mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen, findet unter den beiden Kandidaten mit der höchsten Stimmenzahl eine Stichwahl statt. Der Termin ist für den 1. Dezember vorgesehen. Kreiswahlleiter ist Dr. Denis Gruber (SPD), Vizekreiswahlleiter Sebastian Stoll (CDU). Beide Männer sind Beigeordnete in der Kreisverwaltung.

Der Stendaler Wahlbetrug von 2014 dürfte wie schon bei der Kommunalwahl im Mai wie ein Damoklesschwert über allem hängen. Zumal juristisch immer noch nicht abschließend geklärt scheint, ob nicht schon bei der Landratswahl 2012 und nicht erst bei der Stadtratswahl zwei Jahre später manipuliert worden ist. Ein früheres CDU-Mitglied wurde 2017 wegen Wahl- und Urkundenfälschung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Inwieweit das Ganze bei der Wahlentscheidung der Bürger an diesem Sonntag eine ausschlaggebende Rolle spielen kann, lässt sich sicherlich so einfach nicht sagen.

Sie selbst würden mit einer höheren Wahlbeteiligung als vor sieben Jahren rechnen, so ist es jedenfalls bei einer offiziellen Vorstellung der Kandidaten gesagt worden. Allzu hoch ist die Messlatte auch nicht gelegt. 2012 betrug die Quote 25,4 Prozent, bei der Stichwahl waren es sogar nur 16,3 Prozent, selbst für eine Landratswahl eine recht magere Beteiligung. Damals siegte Wulfänger äußerst knapp gegen SPD-Konkurrent Lars Schirmer und beerbte Parteifreund Jörg Hellmuth im Amt, der ihn politisch aufgebaut hatte. Die Amtszeit des neu gewählten Landrats 2019 beginnt am 19. März nächsten Jahres.

Die Ergebnisse aus den 185 Wahllokalen in Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel laufen übermorgen ab 18 Uhr in der Geschäftsstelle des Kreiswahlleiters ein. Er veröffentlicht die Resultate auf der Internetseite des Landkreises unter https://wahlen.landkreis-stendal.de. Darüber hinaus kann das Eintreffen der Wahlergebnisse auch auf einer großen Videowand im Landratsamt, Hospitalstraße 1-2, verfolgt werden. Interessierte Bürger sind laut Kreisverwaltung willkommen.

VON MARCO HERTZFELD 

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