„Ganzer Berufsstand in Misskredit“

Kreisbauernverband positioniert sich zu Tierquälerei und Tierschutz-Aktivisten

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„Einbrüche in Ställe müssen geahndet werden.“: Beim Treffen in Iden haben Landwirte der Ostaltmark Vorkommnisse von Demker und Hohengöhren ausgewertet.

Stendal/Iden – Scharfe Töne beim Branchentreffen der Ostaltmark-Landwirte hat Stendals Kreisbauernverbands-Vorstandschef angeschlagen.

Zu den Vorkommnissen in Demker äußerte sich André Stallbaum vor allem in Richtung der Tierhalter dort.

Diese hätten „den gesamten Berufsstand in Misskredit“ gebracht, distanzierte sich der Idener im Namen der Mitgliedschaft. „Wenn es nicht anders geht und die Einsicht fehlt, muss ein Tierhaltungsverbot ausgesprochen werden“, erklärte der Vorsitzende.

Aber auch zu den Tierschutzorganisationen hat der Verantwortliche eine Meinung. Es dürfe nicht sein, dass Einbrüche in Ställe durch Tierrechtler nicht geahndet werden würden. „Wären sie auf das Tierwohl bedacht, hätten sie nicht wochenlang gewartet, den Vorfall medial ausgeschlachtet und Spenden akquiriert, sondern sofort eine Anzeige geschaltet“, kritisierte er.

Stallbaum prangerte bei der Zusammenkunft, die im Zentrum für Tierhaltung und Technik (ZTT) der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) in Iden stattgefunden hat, auch eine „Hinhaltetaktik“ bei der Schweinehaltung an.

Kastenstand und Kastration seien für die Schweinehalter immer noch nicht geregelt. „Das ist Wirtschaftsverhinderung im ländlichen Raum“, schimpfte er. Ohne klare gesetzliche Linien werde sich deshalb kein Landwirt an Investitionen trauen. Grund sei, dass ein heute genehmigter Stall eventuell morgen schon nicht mehr den Normen entspreche.

Auch eine Rückschau auf den jüngsten Sahara-Sommer zog der Vorstandsvorsitzende. 2018 sei ein „verheerendes“ Jahr mit Stürmen und Dürre gewesen. Dies habe viele Tierhalter in die Knie gezwungen. „Letztendlich war die Dürrehilfe trotz der enormen Hürden für die Landwirte existenziell wichtig. 335 Anträge sind gestellt, viele bearbeitet, unser Dank geht an das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten, das zuerst tierhaltende Betriebe mit einem Abschlag bedacht hat“, sagte Stallbaum.

Kräftig bekam auch das grün regierte Umwelt- und Landwirtschaftsministerium sein Fett weg. „Der Umgang mit uns Bauern ist nicht hinnehmbar, der Offene Brief des Verbandes an Ministerin Dalbert zur Polderentschädigung und deren brüskierende Antwort darauf, ist ein Schlag ins Gesicht.“

Auch die Aussagen zur Entschädigung der Weidetierhalter in Wolfsgebieten seien unwahr, weil nur etwa 16 Prozent der Kosten im Schafsektor ersetzt werden würden. „Wir fordern 100 Prozent Entschädigungen aller Kosten.“

VON ANTJE MAHRHOLD

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