Elbfähren unter Druck: Landkreis soll insgesamt 20 000 Euro beisteuern

Kreis Stendal: CDU bastelt ihren Rettungsanker

Die Fähre Werben ist wie andere Gefährte dieser Art auch wichtig für Touristen. Größere Elbbrücken im Landkreis gibt es nur bei Seehausen und Tangermünde.
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Die Fähre Werben ist wie andere Gefährte dieser Art auch wichtig für Touristen. Größere Elbbrücken im Landkreis gibt es nur bei Seehausen und Tangermünde.

Werben / Sandau – Der Landkreis Stendal unterstützt die Stadt Sandau und die Hansestadt Werben mit jeweils 10000 Euro beim Fährbetrieb. So steht es jedenfalls in einem Antrag der CDU-Fraktion, der dem Kreistag für den 24. September zum Beschluss vorliegt.

In dem Papier für das Kommunalparlament ist die Rede von einer sogenannten außerplanmäßigen finanziellen Unterstützung. Der Landrat von Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel soll beauftragt werden, die notwendigen Mittel aus dem Gesamthaushalt bereitzustellen.

„Die Elbestadt Sandau und die Hansestadt Werben befinden sich durch die umfangreichen Baumaßnahmen in einer finanziellen Ausnahmesituation“, meinen die Verfasser des Papiers von Ende August und sehen damit offensichtlich zusätzliche Herausforderungen für beide. In Sandau sei die Ortsdurchfahrt wegen Arbeiten an der Bundesstraße 107 voll gesperrt. Zusätzlich werde die Deichüberfahrt zur Fähre erneuert. „Ein Betrieb der Elbfähre ist über Monate nicht möglich, wodurch die Einnahmen komplett ausfallen.“

Weil der Anleger der Landesstraße 2 zwischen Havelberg und Räbel saniert wurde, musste der Betrieb dieser Fähre gänzlich eingestellt werden. Einnahmen gab es nicht. Bauarbeiten an der L 2 zwischen Räbel und Werben bedeuteten nun einen weiteren Ausfall und erneute Verluste. Dass die Werbener Fähre in Räbel trotz der Arbeiten in Betrieb bleiben kann, haben die Verfasser zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht gewusst. Inwieweit es trotz der Regelung weniger Einnahmen geben wird, bleibt abzuwarten.

Wer es nicht weiß: Werben und sein Ortsteil Räbel liegen westelbisch, Sandau befindet sich ostelbisch. Die Werbener Fähre setzt Menschen und Material nach Havelberg über, die Sandauer nach Büttnershof-Sandauerholz. Beide Fähren hätten für den Landkreis eine „herausragende Bedeutung“, denn sie würden von vielen Pendlern der umliegenden Verbands- und Einheitsgemeinden genutzt, heißt es im Papier. Sie seien zudem ein „wichtiges Bindeglied“ im Tourismus, und das vor allem entlang der überregionalen Radwanderwege.

Die Elbfähren in Sachsen-Anhalt befinden sich in der Regel in kommunaler Hand und stehen oftmals unter erheblichem finanziellen Druck. Wie sich das unruhige Fahrwasser ändern lässt, darüber wird seit Monaten wieder einmal stärker diskutiert. Im Landkreis Stendal gibt es neben den zwei erwähnten Fähren noch die in Arneburg. Die Fähre Ferchland-Grieben hat ihren Betrieb im Sommer eingestellt. Kostenfragen tauchten neu auf und konnten nicht geklärt werden. Bürgerproteste änderten daran nichts.

Inwieweit die Fährverbindung im Süden endgültig gestorben ist, wird sich zeigen. Ein weiteres CDU-Papier für die Kreistagssitzung am 24. September zielt letzten Ende auf den gemeinsamen Erwerb und Betrieb einer Elbfähre bei Grieben und die Bildung einer privatrechtlichen Betreibergesellschaft wie gGmbH oder Zweckverband oder anderer Rechtsform, über die sich Fördermittel gewinnen lassen. Potenzielle Partner seien der Landkreis Jerichower Land sowie die Einheitsgemeinden Elbe-Parey, Tangerhütte, Jerichow und Tangermünde.

Das Aus der Verbindung Ferchland-Grieben und die Zukunft der anderen Fähren hat den Landtag beschäftigt. Überlegungen, dieses Verkehrsmittel anders einzuordnen und das Land finanziell entscheidend einzuspannen, liefen ins Leere. Stärkste Fraktion im Landtag ist die CDU, die Regierung besteht aus CDU, SPD und Bündnisgrünen. Die Diskussion in Ausschüssen dürften weiterlaufen. Die Coronapause im Frühjahr hatte landesweit viele Fährbetreiber zusätzlich gebeutelt, gerade Pendler und Touristen blieben weg. VON MARCO HERTZFELD

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