Kreis-Chef Neuhäuser soll Verantwortung für tote Tiere übernehmen

„Druck auf den Nabu ausüben“

Die Anzahl der Demonstranten am Sonnabendvormittag auf dem Marktplatz der Rolandstadt war überschaubar. Für die Beamten der Stendaler Polizei stellte die angemeldete Versammlung also kein Problem dar.
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Die Anzahl der Demonstranten am Sonnabendvormittag auf dem Marktplatz der Rolandstadt war überschaubar. Für die Beamten der Stendaler Polizei stellte die angemeldete Versammlung also kein Problem dar.

Stendal. Er werde seinen Posten nie freiwillig räumen, sagte Doreen Lemme leicht resigniert der Altmark-Zeitung. Gemeint ist der Nabu-Kreisvorsitzende Dr. Peter Neuhäuser.

Nach Ansicht Lemmes und ihrer Mitstreiter hat der Kreisverband während des Sommerhochwassers zu spät reagiert und im Bucher Brack von den Fluten bedrohte Tiere nicht evakuiert, sondern qualvoll verenden lassen. Neuhäuser müsse hierfür die Verantwortung übernehmen, gibt sich Doreen Lemme überzeugt. Um doch noch Bewegung in die Sache bringen zu können, müsse man „Druck auf den Nabu-Bundesverband ausüben“. Und aus diesem Grund waren knapp 50 Demonstranten am vergangenen Sonnabend mit Schildern und Transparenten bewaffnet, vor das Stendaler Rathaus gepilgert, um ihrem Unmut Luft zu machen.

Den Tieren hätte dieses Schicksal erspart bleiben können, waren sich die Demonstrationsteilnehmer einig. Angesichts des rasant steigenden Flusspegels hätte man seitens des Nabus die Gefahr für die Tiere erahnen können. Zudem sei es nicht das erste Mal gewesen, dass die Tiere vom Wasser bedroht wurden. Bereits 2011 habe es eine ähnliche Situation gegeben, sagte Doreen Lemme. „Vielleicht hat man sich auch diesmal darauf verlassen, dass alles gut geht.“ Doch der Nabu habe nicht gehandelt. Stattdessen seien die circa 25 Rinder und knapp 20 Pferde ertrunken.

Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Evakuierungsbemühungen hegte auch Anne Grellmann, und spielte damit auf die geplante Fährvariante an, um die Tiere doch noch aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Die Tiere lebten dort wild und seien schon unter normalen Bedingungen nur schwer in eine Richtung zu lenken gewesen. „Da würden sie wohl kaum in aller Ruhe auf eine Fähre steigen und einen Fahrschein lösen“, sagte Grellmann. Selbst Dr. Neuhäuser habe die Herde als „schwierig bis unmöglich zu evakuieren“ beschrieben. Unter diesen Voraussetzungen hätten die Tiere nie im Deichvorland gehalten werden dürfen. Was sie jedoch am meisten störe ist die Tatsache, das der Nabu-Kreisverband durch diese Vorgänge viel Schaden genommen habe. Auch sie drängte Nabu-Kreischef Neuhäuser zum Rücktritt: „Er muss die Verantwortung für die Fehler übernehmen.“

Obgleich Doreen Lemme die Chancen, Neuhäuser durch die Demonstrationen doch noch dazu zu bewegen, zu seiner Verantwortung zu stehen, eher schlecht einschätzt, wollen sie und ihre Mitstreiter weiter machen. Auch wolle man das Gespräch mit dem Nabu-Kreischef suchen.

Von Oliver Heymann

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