40 Landwirte der Altmark geben Gas für bundesweites Trecker-Rennen / Siegprämie 1000 Liter Diesel

Wo Kraftprotze flott rangieren, wirbelt Wischestaub um die Wette

Streckenposten Jakob Dihlmann assistierte im Auftrag eines Rochauer Landtechnikbetriebs an der Start- und Ziellinie als Zeitnehmer. Der 17-Jährige ist in Seehausen geboren worden und wuchs in Baden-Württemberg auf. Eine der schnellsten Zeiten, die er bis Mittag in Iden stoppte, waren 25,59 Sekunden für wenige hunderte Meter.

Iden/Altmark. „Ha, drübergefahren“, johlt es schadenfroh im Fahrerlager, aber ein Safety-Car düst nicht los. Es ist ja auch keine Formel Eins, die an diesem Freitag kraftstrotzend Idener Wischeboden-Staub aufwirbelt.

Aber es ist eine Schlepper-Challenge, die Altmark-Premiere feiert und obendrein rustikal mit Grillhappen und Kühlgetränken auf Touren kommt.

„Rennleiter“ Ralph Quast bleibt die Ruhe selbst, als er die rund 40 aus der gesamten Region erwarteten „Piloten“ über jungfräulich tiefschwarze Stahlzinkstufen ins Cockpit des 209-PS-Traktors führt. Porentiefe Reinheit in stylishem Grau mit Knöpfen und Schaltern in grellgrün und signalorange rund um einen extrem handlichen Joystick bilden das Herzstück der Kommandozentrale mobil-moderner Landwirte. Dafür allerdings muss die Branche tief in die Brieftasche greifen – Trecker kosten heutzutage locker mittelsechsstellig.

„25,59 Sekunden, das ist Bestzeit“, ruft Jakob Dihlmann kurz vor Zwölf unter satter Endmaisonne. Der 17-Jährige, der in Seehausen geboren wurde, in Baden-Württemberg aufgewachsen ist und nun in der Altmark lebt, steht dem Challenge-Ausrichter-Team eines Rochauer Landtechnikbetriebs als Zeitnehmer zur Seite. Das Fahrerfeld mit Piloten aus Agrargenossenschaften und Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) rekrutiert sich bis auf ein einzige Frau komplett männerdominiert.

Vertreten sind Tier- und Pflanzenproduktionsbetriebe aus dem Raum Arendsee und Salzwedel genauso wie das Gebiet Tangerhütte und das Elb-Havel-Land.

An neonroten Startlinie im grasgrünen Topmodell nehmen dabei überwiegend Einzellandwirte, aber auch Kollegen im Nebenerwerb Aufstellung. Dabei hat es der einige hundert Meter lange Parcours besonders an seinem Ende in sich. Möglichst flink nämlich soll der wendige Sechszylinder-Kraftprotz rückwärts eingeparkt und dazu flott vor und zurück rangiert werden. Flatterband, Pylone und Baken geben das Rangierfeld vor, dessen Grenzen auch kein kleines Bisschen von den massigen XXL-Reifen touchiert werden dürfen.

Denn andernfalls kommt das Fahrerlager belustigt noch mehr auf Touren, als es die idyllische Umgebung sowieso schon verursacht. Punkte in diesem dieselkraftdröhnenden Praxisteil sammeln die Fahrer sowohl für die Zeit, die sie für die Durchfahrt des Parcours benötigen, als auch für ihre Präzision. Und wer im Theorieteil mit Wissen über das Können des temperamentvollen Schwaben glänzt, heimst weitere Qualifikationszähler ein.

Am Ende sind 6000 Liter Diesel die Siegprämie dieser Trecker-Rallye auf dem Gelände der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG). Das reicht beim Topmodell etwa für 15 mal volltanken.

Von Antje Mahrhold

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