Nervige Kolonisten erreichen verstärkt den Totenacker / Brutbäume am Krankenhaus fallen

Krähen stören die Friedhofsruhe

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Auf diesem und benachbarten Bäumen haben sich Krähen breitgemacht.
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Stendal. „Die schwarzen Vögel geben keine schönen Geräusche ab, ganz zu schweigen vom Dreck am Boden“, sagt eine Frau, die das Grab ihrer Eltern besucht hat, im Vorübergehen. Saatkrähen haben verstärkt den Stendaler Friedhof für sich entdeckt.

Stadtsprecher Klaus Ortmann vermutet, dass ein Großteil der Tiere von der unteren Wendstraße stammt, wo vor wenigen Wochen ihre Lieblingsbrutbäume, riesige Platanen, baubedingt gefällt werden mussten. Dafür ist die Kolonie auf dem Friedhof angewachsen, auf die Schnelle lassen sich 40 Nester und mehr zählen. Die lauten Gesellen sind geschützt, da sie ansonsten recht selten vorkommen. „Die Tiere lassen sich grundsätzlich auch nicht vertreiben. “.

Eine geschützte Art: Saatkrähe.

Bewegung kommt hingegen in ihren Flugraum an der oberen Wendstraße. „Das Krähenproblem vor dem Johanniter-Krankenhaus wird bald der Vergangenheit angehören. Hier ist die Genehmigung für die Wegnahme der Bäume zur Sicherung des Hubschrauberlandeplatzes auf dem Dach erteilt worden“, erklärt Ortmann auf Anfrage der AZ. In dieser Woche schauen Mitarbeiter der Naturschutzbehörde des Landkreises in die Nester. Befinden sich darin Eier oder Jungvögel, muss das weitere Vorgehen mit dem Landesverwaltungsamt abgestimmt werden. Sind weder Brut noch Aufzucht vorhanden, kann die Kettensäge in den nächsten Tagen zum Einsatz kommen. In der Vergangenheit hatte es immer wieder einmal Beschwerden von Patienten über Dreck und Lärm direkt vor der Klinik gegeben.

Ein beschmutzter Grabstein.

Inwieweit die zusätzliche Besiedlung der Friedhofsbäume tatsächlich zu Problemen führt und im engeren Sinne die Friedhofsruhe stört, bleibe abzuwarten. „Vornehmlich im Frühjahr ist mit Verschmutzungen umzugehen. Wenn Laub an den Bäumen hängt und das Brutgeschäft beendet ist, dann sind die Auswirkungen eher gering“, meint der Rathaussprecher. Bislang seien noch keine Beschwerden von Friedhofsbesuchern in der Stadtverwaltung eingegangen. Seit Mitte Februar sind die Vögel auf dem Areal nahe dem Kreisel zur Osterburger Straße aktiv. Die Saatkrähen hat es auch dort bevorzugt auf Platanen gezogen, die an die 50 Meter hoch werden können und ihnen deshalb eine gewisse Sicherheit vor Fressfeinden geben. Da direkt unter den Bäumen und Nestern Rasen dominiert und viele Grabstellen einige Meter davon entfernt stehen, sind Kotflecken, die Angehörige besonders stören könnten, eher die Ausnahme, auf den ersten Blick jedenfalls.

Von Marco Hertzfeld

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