Teurer Neubau am einstigen Ostbahnhof zwingt Stadtrat zu „Außerplanmäßiger Ausgabe“

Kostenexplosion ruft Zweifel hervor

Mit zusätzlichen Steuereinnahmen, die die Stadt 2018 erwartet, sollen die Extrakosten in Höhe von mehr als einer halben Million Euro für den neuen Bauhof-Standort bezahlt werden. Wenn auch die Rechnung nicht aufgeht, ist wieder der Stadtrat gefragt.
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Mit zusätzlichen Steuereinnahmen, die die Stadt 2018 erwartet, sollen die Extrakosten in Höhe von mehr als einer halben Million Euro für den neuen Bauhof-Standort bezahlt werden. Wenn auch die Rechnung nicht aufgeht, ist wieder der Stadtrat gefragt.
  • Antje Mahrhold
    vonAntje Mahrhold
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  • Charlotta Spöring
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Stendal. Zähneknirschend hat der Stadtrat der größten Kommune der Altmark diese Woche gebilligt, dass der neue Bauhof-Standort mehr als eine halbe Million Euro teurer als erwartet geworden ist.

Mit 32 Ja-Stimmen bei zwei Nein-Voten und drei Enthaltungen billigte das Gremium um Vorsitzenden Thomas Weise (CDU) eine sogenannte „außerplanmäßige Ausgabe“ für das von Beginn an umstrittene Bauvorhaben „Umverlegung Bauhof Hansestadt Stendal zum Standort Arneburger Straße 146 B (ehemaliger Ostbahnhof)“: Die Investition kostet demnach 629 000 Euro mehr als geplant.

Dass die Errichtung des Neubaus, der ein direkter Nachbar des Landesfeuerwehrmuseums ist, ausgerechnet durch eine im Nachhinein als nötig erachtete Brandschutzwand zwischen Salzlager- und Fahrzeughalle in den Kosten explodierte, hatte sich bereits im vorigen Mai herausgestellt. Unmut kam im Rat dann diese Woche allerdings auf, weil neben der Umsetzung der Brandschutzauflagen noch eine Reihe von weiteren Arbeiten teurer als geplant geworden seien.

„Ich wage zu bezweifeln, dass die Mehrkosten für die Entwässerungsanlage, Verkehrsanlage sowie bei den Elektroinstallationen nicht im Vorfeld in die Planung einbezogen werden konnten“, kritisierte Fraktionschef Joachim Röxe (Linke/Bündnisgrüne). Das Ganze sei wieder mal ein Beispiel dafür, dass die Stadtverwaltung im Vorfeld der Investition einen „Spargedanken“ deklamiert habe, weshalb möglichst wenige Arbeiten in die Planung einbezogen worden seien. Am Ende würde sich dann herausstellen, dass die tatsächlichen Kosten die Kalkulation weit überschreiten. Beim neuen Bauhof-Gebäude, das den maroden Vorgänger am Uchtewall ersetzt, sind dies laut Beschlussvorlage beim Posten „Versorgungsleitungen“ 8300 Euro (gesamt: 37 550 Euro) mehr als geplant, bei Abbruch- und Elektroarbeiten gibt es Zusatzkosten in Höhe von 15 500 Euro (37 550 Euro), beim Bau der Salzlager- und Fahrzeughalle schlagen Mehrausgaben von 12 000 Euro (52 000 Euro) zu Buche, bei Elektroinstallation und Heizung/Lüftung/Sanitär sind es 56 050 Euro, die Regenentwässerungsanlage wird 86 000 Euro (110 000 Euro) teurer, Verkehrsanlagen und Schmutzwasserleitungen kosten 153 500 Euro (491 500 Euro) mehr und auch das Honorar für Ingenieurleistungen steigt um 20 550 Euro (240 550 Euro).

Dem Hochbauamt zufolge werden die Mehrkosten aus Stendals Brückenrücklage zwischenfinanziert. Bezahlt werden soll das Ganze letztlich aus zusätzlichen Steuereinnahmen, die 2018 erwartet würden. Falls auch diese Rechnung nicht aufgehen sollte, „muss der Stadtrat neu entscheiden“, heißt es zur Begründung.

Von Charlotta Spöring und Antje Mahrhold

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