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Kommentar: Poggenburg schießt sich ein Eigentor

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André Poggenburg

Getroffene Hunde bellen. Da tritt André Poggenburg aus der AfD aus und schwupps hat er eine neue Partei gegründet. Schon im Herbst wollen die „Patrioten“ bei mehreren Landtagswahlen antreten.

Der ehemalige Partei- und Fraktionschef der AfD Sachsen-Anhalt macht keinen Hehl daraus, wohin seine Reise gehen soll.

Patriotismus ist eine (begeisterte) Liebe zum Vaterland. Da erscheint die Wörterbuch-Definition von „Patriot“ in diesem Zusammenhang treffender: „Ein begeisterter, fanatischer, verblendeter Patriot“.

Fanatismus und Verblendung gab es zu allen Zeiten. Und Beides war und ist in jeder Form gefährlich.

„Patriotismus“ steht auch für Nationalgefühl, Nationalstolz. Leider ist „Nationalstolz“ in Deutschland negativ besetzt. Wie schön wäre es, wenn wir stolz auf unsere Nation sein könnten, ohne mit Nationalsozialismus in Verbindung gebracht zu werden. Mit dem Poggenburg´schen „Aufbruch deutscher Patrioten“ kommen wir diesem Anspruch leider kein Stück näher – im Gegenteil.

Seinen „politischen Kampf“ könne er in der AfD nicht mehr führen, sagt der 43-Jährige. Nun will er gemeinsam mit weiteren enttäuschten AfDlern mit den „deutschen Patrioten“ aufbrechen und seinen Kampf um Mandate zunächst in Sachsen, Thüringen und Brandenburg antreten.

Die AfD ist Poggenburg zu links. Wer von „Deutschland den Deutschen“ schreibt und über eine „Erweiterung der Außengrenzen“ spekuliert, wer findet, dass „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“ (Poggenburg über in Deutschland lebende Türken, die hierzulande „nichts zu suchen“ hätten), wer die blaue Kornblume (in den 1930er Jahren in Österreich das Erkennungszeichen der damals in der Alpenrepublik verbotenen Nationalsozialisten) als Logo nutzt, welch Geistes Kind ist das wohl?

Jede Spaltung der AfD schwächt diese. Und damit erreicht Poggenburg, was er nicht will: dass Deutschland bunt bleibt – mit ein paar braunen Sprenkeln.

Von Ulrike Meineke

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