Von Woche zu Woche

„ ... der darf gerne gehen“

Ausländer bekommen in Deutschland viel mehr Geld als Hartz IV-Empfänger und die meisten, die arbeiten gehen. 3000 Euro kriege jeder im Monat. Rechte Organisationen machen mit solchen Aussagen mobil, treffen damit genau den Nerv vieler Ostdeutscher.

Ulrike Meineke

In den sozialen Netzwerken geht die Post ab – solche Sprüche kommen an. Können wir mit dem Asylbewerberzustrom, mit fremden Kulturen, wirklich nicht umgehen? Liegt es daran, dass wir bundesweit gesehen die wenigsten Ausländer hier haben? Vielleicht. In Stendal wird den in diesem Jahr erwarteten 1500 Asylbewerbern ein herzlicher Empfang bereitet. Die Willkommenskultur hat viele ehrenamtliche Seiten, wir berichten fast täglich darüber. Aber es gibt eben auch die Andersdenkenden, die – wie in dieser Woche im Hoock – Häuser mit Nazi-Parolen beschmieren und einen Stopp der Zuwanderung fordern: „Ausländer raus.“

Was mag sich so ein Ausländer denken, der aus einem Krisengebiet geflohen ist und hoffte, in Deutschland in Frieden leben zu können? Er fühlt sich gleich bei seiner Ankunft ins Nazi-Deutschland versetzt.

„Es gibt Idioten, die mit Worten zündeln“, sagt die bündnisgrüne Politikerin Katrin Göring-Eckardt. Für sie und viele andere ist „jeder Mensch eine Bereicherung für Sachsen-Anhalt“. Und auch Bundesjustizminister Heiko Maas schämt sich für den Hass gegen Ausländer.

Ostdeutschland, ganz besonders die Altmark, ist entvölkert. In ein paar Jahren werden hier tausende Menschen weniger leben. Die Jungen gehen, die Alten sterben weg. Schon jetzt stehen 15 Prozent aller Wohnungen leer. Bald werden es Häuser, vielleicht ganze Dörfer sein – demografischer Wandel. Die gut ausgebildete Jugend wandert ab – Fachkräftemangel.

10 000 Asylbewerber soll Sachsen-Anhalt aufnehmen, fordert das Bundesland Baden-Württemberg aus diesen Gründen. Das Argument, dass der Osten dann vielleicht lernt, besser mit fremden Kulturen umzugehen, ist für viele ein Schlag ins Gesicht, aber nicht von der Hand zu weisen. Dem demografischen Wandel, dem Fachkräftemangel und letztlich dem Arbeitsmarkt würde es gut tun.

Wem geht es denn hier wirklich schlecht. Wer meint, dass es anderswo besser ist und wer multikulti partout nicht mitmachen will, dem sei mit den Worten von Altbundeskanzler Helmut Schmidt gesagt: „Wem Deutschland nicht passt, der darf gerne gehen.“

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © dpa

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