In der Altmark einst übliche Silvesterbräuche sind aus der Mode gekommen

Knaller vertreiben böse Geister

Das Feuerwerk gehört bis heute zu Silvester. Früher wurde geböllert, um die bösen Geister zu vertreiben. Foto: Archiv / hey
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Das Feuerwerk gehört bis heute zu Silvester. Früher wurde geböllert, um die bösen Geister zu vertreiben.

Altmark. Die Zeit zwischen dem 25. Dezember und 6. Januar wird allgemein in Norddeutschland als die Raunächte bezeichnet.

Die „Wilden Jäger“ oder „Helljäger“ des Jul-Festes waren lange Zeit besonders in der Altmark sehr gefürchtet, da sie als Verkörperung der alten Götter wie Wotan, Freya und des Totenheeres die Menschen gern erschreckten.

Nordische Mythologie

In der nordischen Mythologie waren die Raunächte die zwölf Töchter der Frau Harkedie, (auch Frau Holle oder Freya) die Wotan an diesem Tag begleiten mussten. Um die Aufmerksamkeit des wilden Heeres nicht auf sich zu ziehen, war es unter anderem in weiten Teilen der Altmark untersagt, Arbeiten mit drehenden Teilen wie zum Beispiel das Spinnen auszuführen. Auch Haare schneiden oder Schuhputzen waren verpönt. Die Werkzeuge beim Brotbacken, wie Ofenwischer oder der Brotschieber, durften an diesen Tagen nicht im Freien stehen.

Keine weiße Wäsche

Besonders der Brauch, nicht weiße Wäsche zu waschen und sie vor allem nicht aufzuhängen, da sich sonst der göttliche Himmelswagen darin verfangen könnte und aus Zorn darüber die Götter ein Familienmitglied sterben lassen, hat sich lange in der Region gehalten. Selbst die Leinen wurden in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts abgenommen. „Damit sich im kommenden Jahr niemand aus der Familie aufhängt“, wie viele ältere Frauen gern berichteten.

Das Böllerknallen in der Silvesternacht ist nichts anderes, als der Lärm, der früher die bösen Geister vertreiben sollte und stammt vom Brauch ab, in der Silvesternacht mit Flintenschüssen die Geister zu verschrecken und die Natur aufzuwecken, damit die Bäume im kommenden Jahr reichlich Früchte tragen. Dies war besonders rund um den Arendsee noch bis zum Ersten Weltkrieg sehr beliebt.

Es war auch üblich, sich nicht nur ein glückliches neues Jahr zu wünschen, sondern man sprang in das neue Jahr. Die Besucher der Silvesterfeiern stellten sich dazu auf Tische sowie Stühle und sprangen dann gemeinsam um 0 Uhr in das neue Jahr. Dieser Brauch ist sehr selten geworden. Hingegen ist das Fischessen am Silvestertag immer noch sehr beliebt. Besonders der Karpfen am Mittag sowie am Abend der Heringssalat fehlt auf kaum einem Tisch, zumal der Heringssalat durch sein Salz am Neujahrstag ein gutes Hausmittel gegen den „Kater“ ist.

Weit verbreitet bleibt die Sitte, sich vom Silvesterkarpfen drei Schuppen zu besorgen, sie abzuwaschen und dann getrocknet in das Portmonee zu legen. Dies soll ebenfalls das ganze Jahr über Geld und Glück bringen. Bekannt ist ebenfalls noch der Brauch, am Neujahrstag neues Geld in die Geldbörse nachzufüllen, da dies viel Ertrag bringen soll.

Wettervorhersage

Das Wetter soll man mit einer Zwiebel voraussagen können, indem sie abgepellt wird. Dann gilt es, in den ersten Schichten nachzusehen, ob sie trocken oder nass sind. Dementsprechend fallen die jeweiligen Monate aus. Der Brauch, sich in der Silvesternacht ein weißes Laken über den Kopf zu hängen und dann beim Rückwärts aus dem Haus gehen die Geister auf dem Dach zu sehen, ist aus verständlichen Gründen nicht mehr in Mode. Sehr verbreitet war ebenfalls die Tradition, in der Silvesternacht die Bibel oder das Gesangbuch in der Nacht bei völliger Dunkelheit aufzuschlagen. An Hand des dann vorgefundenen Textes konnte man am anderen Morgen sehen, ob es im neuen Jahr Glück gibt.

Sprung ins neue Jahr

Im „Oeconomischen Kunst- und Haushaltungskalender“ aus dem Jahre 1765 steht eine weitere Deutung für diese zwölf Tage der Rauhnachtzeit. „Wenn die Sonne am Heiligen Christ-Tag scheint, so bedeutet das ein glückliches Jahr. Scheint die Sonne am 2. Tag / so bedeutet das Theuerung, den 3. Streit / den 4. droht es den jungen Kindern Kranckheyt, Masern und Kindblattern / den 5. geräth Obst und Winterfrucht wohl / den 6. gibt’s Überfluß an Baum- und Feldfrüchten / den 7. bedeutet es gute Viehweiden, hingegen aber Theurung an Korn und Wein / den 8. viel Fisch und wilde Vögel / den 9. bedeutet es den Kaufleuten glückliche Handelsschafften / den 10. kommen gefährliche Gewitter / den 11. bedeutet es große Nebel und daraus entstehende pestilentzialische Kranckheyten / 12. bedeutet es Krieg und Blut – Vergiessen.“ Auch die Träume wurden danach gedeutet, so traf in dem Monat ein, was man zuvor an entsprechendem Tag in den Raunächten geträumt hat.

Gömmacht

Der Dreikönigstag ist als „Gömmacht“ bereits in alten Schriften erwähnt. Dieser Tag ist der letzte Tag der Raunächte und im eigentlichen Sinne der Tag der Frau Holle oder Fraya, in manchen Büchern auch der Frau Gönnacht. Sie soll nach alter Überlieferung an diesem Tag noch einmal die Wohnung und vor allem die Spinnstuben auf Ordnung und Sauberkeit kontrolliert haben.

Die Tradition des Sternsingens zum Dreikönigstag stammt bereits aus dem Mittelalter und wurde seit dem Jahre 1959 in Deutschland vor allem durch die Katholische Kirche wiederbelebt. Verkleidet als die Drei Heiligen Könige aus dem Morgenland – Caspar, Melchior und Balthasar gehen Kinder begleitet vom Pfarrer von Haus zu Haus und singen heutzutage zumeist das Lied „Wir kommen aus dem Morgenland, drei Könige sind wir genannt...“. Diese Weise ist neu, interessant ist, dass sich die vor Jahrhunderten gesungenen Bettellieder vom Dreikönigstag oft auf dem Martinstag übertragen haben. Viele kennen noch das Lied „Ich bin ein kleiner König, gib mir nicht so wenig, lass mich nicht so lange stehn, denn ich muss noch weiter gehen“, hauptsächlich vom Martinsumzug. Es war jedoch einmal ein Lied zum Umzug der Drei Könige. Der mit geweihter Kreide über der Tür angeschriebene Segensspruch 20+C+M+B+16 bezeichnet nicht wie von vielen Lesern vielleicht angenommen die Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar, sondern eingerahmt von den Jahreszahlen bedeutet es „Christus Mansionem Benedicat“ – „Christus segne dieses Haus“.

Es wird auch immer wieder gefragt, warum man sich zu Silvester neben „Ein gutes und gesegnetes neues Jahr!“ außerdem einen „Guten Rutsch“ wünscht. Wer einen sehr alten Duden hat, findet die Antwort für die Frage, denn der Rutsch bedeutet nicht in das neue Jahr „gleiten“, sondern „reisen“.

Von Eckehard Schwarz

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