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Kloster-Brennerei nüchtern: Stiftung richtet Büros ein

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Die alte Brennerei soll oben Büros, Lager und Archiv aufnehmen. Im Untergeschoss werden Toiletten eingerichtet. Fotos (2): Hertzfeld
Die alte Brennerei soll oben Büros, Lager und Archiv aufnehmen. Im Untergeschoss werden Toiletten eingerichtet. Fotos (2): Hertzfeld

Jerichow. „Es läuft, es läuft. “ Die Arbeiten gingen in der Tat gut voran, meint ein Handwerker in etwa fünf Meter Höhe und füllt schon die nächste Fuge in der Backsteinfassade auf. Arbeiter sanieren die alte Brennerei in Jerichow südöstlich von Tangermünde.

Hinter den Klostermauern sind jahrhundertelang Branntwein und Bier hergestellt worden. „Die Stiftung wird nun in der alten Brennerei ihre neue Heimat bekommen“, erklärt Leiter Jan Wißgott. Das Verwaltungszentrum befindet sich momentan noch in der Bibliothek. Die Kosten liegen im sechsstelligen Bereich. Spendengeld der Bürger hilft, die Rechnung zu begleichen. Den Großteil bezahlen Land und Stiftung Kloster Jerichow. Die Arbeiten an Dach, Turm und Fassade sollen bereits zum Jahresende abgeschlossen sein. Im Frühjahr 2013 wird im Untergeschoss des Hauses noch eine Toilettenanlage installiert.

Was einst der römisch-katholische Prämonstratenser-Orden 1144 ins Leben rief und über einige Jahrhunderte ausbaute, bevor es 1552 mit der Auflösung des Klosters mehreren Eigentümern übertragen wurde, habe sich mit der Gründung der Stiftung 2004 wieder zusammengefügt. Das Land will den spätromanischen Komplex nahe der Grenze zum Landkreis Stendal verstärkt zu einem touristischen Magneten ausbauen. Annähernd 15 Millionen Euro sind bereits nach Jerichow geflossen. Wißgott rechnet für das laufende Jahr mit einem Besucherrekord. „Wir werden auf etwa 52 000 Menschen kommen. Das wäre eine Steigerung von 180 Prozent im Vergleich zu 2011.“

Der Leiter der Stiftungsverwaltung sieht den Hauptgrund in der deutlich verbesserten Infrastruktur. „Allein schon, dass man die Einfahrt zur Anlage nun von der Straße aus besser wahrnimmt und dass es einen großen Parkplatz gibt, dürfte sich positiv ausgewirkt haben.“ Ein modernes Informationszentrum mit Kasse, Multimediaraum und Fahrradaufbewahrung steht zur Verfügung. Und der historisch wertvolle Sakralbau selbst gewinne natürlich mehr und mehr alten Glanz zurück. Ein beachtlicher Teil des einstigen Klosters ist bereits saniert, Wände und Decken sind restauriert. Fenster neu gesetzt. Auch die fast 2000 Meter lange Klostermauer kann sich schon wieder recht gut sehen lassen. Gebaut wird momentan auch zwischen Hauptstraße und Informationszentrum. Zu diesem Projekt möchte sich Wißgott derzeit öffentlich noch nicht äußern. So kann nur spekuliert werden: Was dem Klosterareal noch fehlt, ist vielleicht ein größerer Ort für Speis und Trank.

Nicht zuletzt die Altmark und die Stadt Magdeburg spielen im Konzept der Jerichower eine wichtige Rolle. Von dort kommen bereits etliche zahlende Gäste und sollen in der Zukunft noch mehr kommen. Ein letzter Höhepunkt im Jahresprogramm ist die Weihnachtsausstellung. „Vom 4. bis 21. Dezember findet der Besucher das Kloster Jerichow jeweils in der Zeit von 16 bis 18 Uhr in ein Licht- und Dekorationsspektakel gehüllt.“ Räume und Höfe werden romantisch in Szene gesetzt. Der Eintritt ist frei.

www.stiftung-kloster-jerichow.de

Von Marco Hertzfeld

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