Anfragen haben sich vervielfacht / Bis Ende August bereits 118 neue Anträge seit Jahresbeginn

700 Kleine Waffenscheine im Kreis Stendal

Stendal. Insgesamt rund 700 so genannte Kleine Waffenscheine gibt es aktuell im Landkreis Stendal.

Die Anfragen zum Kleinen Waffenschein haben sich in den vergangenen Monaten vervielfacht, wie Angela Vogel von der Pressestelle der Kreisverwaltung gestern auf Anfrage der AZ anhand von aktuellen Zahlen darlegt.

„Zehn bis elf Anträge für den Besitz des kleinen Waffenscheines gab es durchschnittlich jährlich bis 2014“, erklärt Birgit Schulz von der zuständigen Waffenbehörde. Diese „normalen Jahre“ sind jedoch seit 2015 vorbei. Da verdreifachte sich die Zahl der Anträge für die Erteilung des Kleinen Waffenscheines auf 38. Im Jahr 2016 lagen der zuständigen Behörde sogar 346 Anträge vor.

Bis Ende August wurden seit Jahresbeginn bereits 118 Anträge für den Kleinen Waffenschein gestellt. Kein Bürger des Landkreises Stendal besitzt dagegen den sogenannten Großen Waffenschein. „Den gibt es nur für gefährdete Personen oder für das Wachpersonal von Geldtransportern“, erläutert die Mitarbeiterin der Waffenbehörde. Hintergrund: Geldtransportunternehmen sind zwar im Landkreis tätig, diese Unternehmen sind jedoch nicht in der Region ansässig und gemeldet.

Registriert von der Behörde sind natürlich mit relativ kontinuierlichen Zahlen die Jäger und Sportschützen. 1784 sind es derzeit im Landkreis laut Behörde. Sie haben eine oder mehrere Waffenbesitzkarten, in denen Lang- oder Kurzwaffen einzeln aufgeführt sind.

In diesem Jahr musste in elf Fällen der Waffenschein widerrufen oder versagt werden. Gründe dafür sind zumeist Delikte im amtlichen Strafregister. 2015 gab es drei Widerrufe oder Versäumnisse. Im vergangenen Jahr stieg diese Zahl auf neun an. Insgesamt, so das Fazit, ist also auch in Sachen Widerruf und Versagung eines Waffenscheines ein Anstieg zu verzeichnen.

Das gilt auch für Waffenbesitzverbotsverfahren: 2015 gab es hier kein einziges Verfahren dieser Art. 2016 und auch im laufenden Jahr gab es dagegen jeweils vier Waffenbesitzverbotsverfahren. Durch Anregung der Polizei, zum Beispiel bei Neigung zu Gewalttätigkeiten, können bereits erworbene Waffen auch von der zuständigen Behörde eingezogen werden. „Derzeit verwahrt das Amt 84 Waffen und etwa 3000 Stück Munition auf“, heißt es seitens der Pressestelle des Landkreises Stendal. Im gesamten Land Sachsen-Anhalt haben derzeit rund 10 000 Menschen den Kleinen Waffenschein. Im vergangenen Jahr wurden landesweit mehr als 1170 Verstöße gegen das Waffenrecht registriert. Der Kleine Waffenschein berechtigt zum Tragen von Schreckschuss-, Gas- und Signalpistolen in der Öffentlichkeit. Derzeit ist eine rege Diskussion um die Verschärfung der Vergaberegeln in Gang. Nur die Prüfung des Führungszeugnisses für Antragsteller des Kleinen Waffenscheines reiche vielen Politikern nicht mehr. Kritiker fordern angesichts zunehmender Verstöße eine Waffensachkundeprüfung auch für die Besitzer von Schreckschuss-, Gas- und Signalpistolen.

Von Kai Zuber

Rubriklistenbild: © dpa

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