Kleine Hilfen, große Wirkung

Rund 70 Zuhörer interessierten sich gestern für die SWG-Veranstaltung zum Thema „Wohnen im Alter“.

Stendal - Von Thomas Pusch. Die Hansestadt wird in den kommenden Jahren Einwohner verlieren, aber die Zahl der Seniorenhaushalte wird steigen. Darauf stellt sich die Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG) ein. „In den eigenen vier Wänden länger leben“ war eine Veranstaltung überschrieben, in der gestern veranschaulicht wurde, wie mit kleinen Maßnahmen eine Wohnung auch für ältere Menschen wohnlich bleiben kann.

Der demographische Wandel geht natürlich auch an der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG) nicht vorbei. Die Einwohnerzahl sinkt, der Bedarf älterer Menschen an einer Wohnung steigt aber. Mieter, die die Gesellschaft natürlich haben will. „92 Prozent der Senioren in Sachsen-Anhalt leben in ihrer eigenen Wohnung und wollen dort auch bleiben“, sagte gestern Klaus Jacobs, Chef der Firma Gangway, bei einer Informationsveranstaltung, zu der die SWG eingeladen hatte. Sie sollte Möglichkeiten aufzeigen, wie den älteren Menschen ein langes Wohnen in den eigenen vier Wänden ermöglicht, der Gang ins Pflegeheim erspart werden kann.

„Das ist für alle nicht nur die beste, sondern auch die günstigste Lösung“, so Jacobs. Gründe dafür gebe es viele. So verpflanze man eben keinen alten Baum, die Menschen wohnen dort seit Jahrzehnten, die Nachbarn seien bekannt und ein Umzug bedeute oftmals auch höhere monatliche Kosten. Seit 15 Jahren beschäftigt sich Jacobs mit dem Thema „Wohnen im Alter“. Der von ihm gegründeten Firma gab er einen englischen Namen, da in England diese Fragestellung schon zehn Jahre zuvor Ernst genommen worden sei. Oftmals würden sich ältere Menschen erst spät oder gar nicht mit Verbesserungen in der eigenen Wohnung kümmern. Da würden abenteuerliche Kletterkonstruktionen aufgebaut, um an das oberste Regal zu gelangen, das man früher ja noch erreicht hatte. Oft genug allerdings stürzen diese dann in sich zusammen. „Zwei Drittel aller Unfälle passieren im Haushalt“, warnte Jacobs. Auch an die Haltegriffe für die Badewanne werde zumeist erst dann gedacht, wenn jemand ausgerutscht sei und sich etwas getan habe.

Vom Prinzip her seien es drei Hauptkomplexe, die in einer Wohnung altersgerecht gewandelt werden müssten. Da seien die Schwellen, die etwa für einen Rollator zu schmalen Türen, von einem Rollstuhl gar nicht erst zu sprechen, und das Badezimmer. Recht anschaulich demonstrierte Jacobs wie bequem ein Badezimmer werden kann, nachdem die Badewanne ausgebaut und durch eine Dusche mit flacher Schwelle ersetzt wurde.

„Das ist bei uns nicht möglich“, protestierte eine Mieterin. Die SWG habe signalisiert, dass sie solche Baumaßnahmen nicht ausführen lassen würde. „Da hat aber ein Umdenken bei uns eingesetzt“, widersprach SWG-Geschäftsführer Daniel Jircik. Im Gegenteil, die SWG setze sich dafür ein, die Technik ermögliche es und was konkret umgesetzt werde, würde in individuellen Gesprächen erörtert. Jeder Mieter solle sich überlegen, was für ihn am wichtigsten sei.

Jacobs hatte noch einige Haushaltshilfen mitgebracht. Dazu gehörten aufsteckbare Füße, um den Lieblingssessel höher zu machen, ein Badewannengriff und ein Öffner für Konservengläser. Die rund 70 Zuhörer waren höchst interessiert und werden in den kommenden Tagen und Wochen mit ihrem Vermieter in Kontakt treten.

Die SWG wird derweil eine Musterwohnung bauen, um in der Realität zeigen zu können, welche Veränderungen möglich sind, die den älteren Bewohnern das Verbleiben in ihren vier Wänden ermöglichen. „Etwa im September werden wir damit fertig sein“, so Jircik gegenüber der AZ.

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