Wandbild sorgt für Diskussion

Kirchenfürst soll stärker in das Licht: Initiative für Portitz-Denkmal in Stendal

Portitz abends am erleuchteten Fenster. So sollte es zeitweise in dunklen Stunden immer aussehen, wünschen sich einige. Die Lichtquelle steht hinter der Hecke.
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Portitz abends am erleuchteten Fenster. So sollte es zeitweise in dunklen Stunden immer aussehen, wünschen sich einige. Die Lichtquelle steht hinter der Hecke.

Stendal – Er habe den Stift schon fast griffbereit liegen. Norbert Lazay, Vorsitzender des Altmärkischen Heimatbundes, will Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) einen Brief schreiben.

Mit einem Denkmal auf dem Mönchskirchhof soll an den berühmten Stendaler Kirchenfürsten Dietrich von Portitz erinnert werden.

Die Idee stamme ja ursprünglich aus dem Kulturausschuss der Stadt und von Ludwig Reinig, jahrelang Mitglied im Stadtrat. Gladigauer Lazay will dem Vorhaben nun im Namen aller einen wichtigen Schub geben. Seit wenigen Tagen schmückt ein Wandbild mit dem Konterfei der mittelalterlichen Kirchengröße den Giebel eines Hauses gegenüber dem Landratsamt. „Eine wirklich gelungene Vorstufe, um Bürger und Stadt für alles Weitere am anderen Ort zu sensibilisieren und zu begeistern. “.

Der Mönchskirchhof soll neu gestaltet werden, eine scheinbar unendliche Geschichte. „Bislang hatten andere Projekte bei der Beantragung von Fördermitteln eine hohe Priorität.“ Wie genau das Areal zwischen katholischer Kirche, Hildebrand-Gymnasium, Bibliothek und Stadtarchiv einmal aussehen soll, dazu gebe es nach wie vor keine konkreten Planungen, wie ein Rathaussprecher weiter wissen lässt. Dass ein Portitz-Denkmal, wie auch immer finanziert, Teil eines neuen Mönchskirchhofes sein kann, wird zumindest nicht ausgeschlossen. Dem sanierten Gelände könnte auch eine höhere Bedeutung bei größeren Veranstaltungen wie dem jährlichen Rolandfest zukommen. „Der Mönchskirchhof hat eine wichtige Position im Herzen der Hansestadt Stendal.“

Kurzum: Die Sanierung sei ein eher mittel- bis langfristiges Projekt. „Bislang wurde die Sanierung erst in der Beantragung für das Fördermittelprogramm 2020 eingeplant.“ Ob und wann diese Mittel gewährt werden, lasse sich noch nicht sagen. „Nach einer Schätzung des zuständigen Fachamtes ist mit dem tatsächlichen Beginn der Arbeiten frühestens in vier bis fünf Jahren zu rechnen“, heißt es aus dem Büro des Oberbürgermeisters weiter. Ob ein Denkmal auf eine derart lange Bank geschoben werden müsste, ist eine andere Frage. Portitz, um 1300 geboren, auch als Kagelwit bekannt, oberster Kanzler in Böhmen und später Erzbischof von Magdeburg, erlebt in seiner Heimatstadt so etwas wie eine Renaissance.

Stendal hat mehr als einen großen Sohn, neben Johann Joachim Winckelmann, dem Begründer der modernen Archäologie, ist noch reichlich Platz. Davon ist auch Michael Trösken überzeugt. Am Wandbild-Projekt der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG) war der Unternehmer mit Schablonen für den Graffito-Künstler Michael Braune beteiligt. Trösken wohnt und arbeitet nur wenige Meter weiter und berichtet der AZ von Menschen, die das Portitz-Motiv ausgiebig betrachten und darüber reden würden. Dass ein Teil des Wandbildes einige Stunden lang, wenn es noch dunkel ist, angestrahlt wird, habe sich bei der Stadt noch nicht durchsetzen können. „Das Licht käme ja von unten, wäre dezent und zielgerichtet auf das Kirchenfenster begrenzt. Das würde das Ganze noch bereichern.“

Heimatbundchef Lazay, beruflich Pfarrer in Gladigau und Umgebung, kann sich bereits über das Wandbild in der Kreisstadt freuen. „Ich habe es mir natürlich schon angeschaut.“ Zumal sich der Künstler bei der Darstellung offenbar an der Marmorbüste des Erzbischofs orientiert habe, die in der Zitadelle Berlin-Spandau stehe. Dort ist der Stendaler Kirchenfürst eine Nebenfigur. Unter anderem ragt Albrecht der Bär hinaus, dem ja im ostaltmärkischen Werben mithilfe des Heimatbundes ein neues Denkmal gesetzt werden soll. Statuen und Büsten in der Bundeshauptstadt Berlin stammen von der einstigen Siegesallee. Wie Albrecht der Bär in Werben aussehen soll, davon hat Lazay längst eine Vorstellung. Für Stendals Kirchenfürsten gibt es immerhin schon einmal verstärkt Rückenwind.

VON MARCO HERTZFELD 

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