„Die Kirche im Dorf lassen“

Kirche Vollenschier: Verein kämpft mit rieselndem Putz und Holzwurm

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Regelmäßig wird die Kirche zum kulturellen Zentrum.

Vollenschier – „Es ist uns eine Herzensangelegenheit“, erzählt Dr. Bärbel Chrapa. Sie ist Mitglied im Förderverein Vollenschierer Kirche, der sich der Erhaltung und Sanierung des neugotischen Gotteshauses am Rande des altmärkischen Dorfes verschrieben hat.

Seit beinahe 20 Jahren pflegt der Verein das kulturhistorische Erbe des Bauwerkes, zieht Fördermittel an Land und sammelt Spenden.

Regelmäßig, etwa vier bis fünf Mal im Jahr, organisieren die 23 Vereinsmitglieder Veranstaltungen, denn Gottesdienste finden in dem Gebäude aus dem Jahr 1878 nicht mehr statt. Dafür aber Andachten, Puppenspiele und auch Konzerte. Am Wochenende wurde erst ein Spendenkaffee ausgerichtet, zu dem sogar Gäste aus der Landeshauptstadt kamen. Mehrmals im Jahr wird die Kirche so zum kulturellen Mittelpunkt des Dorfes.

Anregungen holen sich die Vereinsmitglieder um Vorsitzenden Martin Rehbein und seine Stellvertreterin Editha von Engelbrechten in anderen Gemeinden. Eine Idee hat es Chrapa besonders angetan: „Mancherorts werden doch tatsächlich Rockkonzerte ausgerichtet. Das hat natürlich was, unsere schöne Kirche würde das aber nicht überleben“, schmunzelt sie.

Der Holzwurm frisst sich durch die Bänke.

Denn an der Kirche nagt der Zahn der Zeit. Erst vor wenigen Jahren bekam sie ein neues Dach. Hier kamen EU-Fördermittel zum Einsatz. Doch es gibt weitere Baustellen: Im Innenraum des Gotteshauses bröckelt der Putz, die ornamentalen Gemälde sind zum Teil nur noch schemenhaft erkennbar. Und durch die Bänke knabbert sich der Holzwurm. „Ich wüsste gar nicht, wo wir bei einer Sanierung zuerst ansetzen sollten“, meint Chrapa.

Die Vollenschierer Kirche steht derzeit auf der Warteliste eines Notsanierungsprogramms der Landesdenkmalbehörde. „Wenn wir an der Reihe sind, müssen wir ein Konzept liefern“, berichtet Chrapa zum weiteren Fortgang. Das stellt den Verein sowohl baulich als auch denkmaltechnisch vor eine große Herausforderung. Denn alle 23 Fördervereinsmitglieder sind ehrenamtlich aktiv, die meisten von ihnen gehen einem Beruf nach, opfern für den Erhalt der Kirche ihre Freizeit.

Neben dem Altar fällt der Putz von den Wänden.

Chrapa selbst kommt aus der beruflichen Weiterbildung. Ihre Kenntnisse zur Jugendarbeit brachte sie auch bei einem Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ein, als sich vor einiger Zeit 20 Jugendliche der Quedlinburger Bauhütte an der Sanierung der 200 Meter langen Friedhofsmauer rund um die Kirche beteiligten. 14 Tage lang schufteten die jungen Menschen. Fertigstellen konnten sie das Gemäuer in der zur Zeit nicht, doch sie leisteten ganze Arbeit.

Aus den Erzählungen von Bärbel Chrapa wird deutlich, wie es um das Gemeinschaftswesen des Dorfes bestellt ist. „Während die Jugendlichen anpackten, brachten die Bewohner Eis, Brot und frisches Gemüse vorbei, und das jeden Tag“, berichtet sie. Denn am Ende ist es für die Vollenschierer eines, das zählt: nämlich dass ihre Kirche im Dorf bleibt.

VON CHARLOTTA SPÖRING

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