„Die waren damals sehr katholisch“

Kinder-Uni in Stendal thematisiert jugendliches Leben im Mittelalter

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Die Kinder-Uni ist seit einigen Jahren fester Bestandteil an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Im Wintersemester finden an vier Termine Veranstaltungen statt und im Sommersemester an drei Tagen.

Stendal – Reges Treiben herrschte am Samstag auf dem Campus der Hochschule Mageburg-Stendal in der Rolandstadt. Grund war, dass zwei Vorlesungen im Rahmen der Kinder-Uni stattfanden. Hierbei handelt es sich um eine Kooperation der Hochschule mit der Winckelmann-Gesellschaft.

Dr. Beatrice Hungerland, in ihrer Funktion als Dekanin auch für den Bereich angewandte Kindheitswissenschaften tätig, gelang es in ihrer Vorlesung immer wieder, die Kinder mit einzubeziehen, in dem sie Fragen stellte und Nachfragen zuließ.

Dr. Beatrice Hungerland fand schnell einen guten Draht zu ihrem sehr jungen Publikum.

„Über die kleinen Leute, die zur Zeit des Mittelalters gelebt haben, wissen wir sehr wenig und damit meine jetzt nicht Kinder, sondern Leute, die arm waren“, wandte sie sich an ihr junges Publikum und fragte, wie man Rückschlüsse auf das Leben im Mittelalter ziehen könnte. Als Antwort kamen dann Vorschläge wie „Burgen“ oder auch „Märchen und Sagen“, die sich als richtig erwiesen.

Mit sehr anschaulichem Beschreiben machte die Dozentin den durchweg aufmerksamen Zuhörern deutlich, was es beispielsweise bedeutet, dass es keine Kanalisation gab. „Viele haben ihren Nachttopf am nächsten morgen einfach geleert, in dem sie das Fenster aufgemacht und ihn ausgeschüttet haben“. Nach dieser Beschreibung verzog der ein oder andere im Publikum sein Gesicht, ob der Vorstellung, dass Menschen füher so ihre Notdurft verrichtet haben.

Auch die Schattenseiten dieser Epoche wie das frühe Verheiraten von der jungen Mädchen wurde thematisiert. Anhand der im Mittelalter nicht vorhandenen Bedeutung des Geburtstages verdeutlichte Hungerland, dass es eine Kindheit im heutigen Sinne damals nicht gegeben hat. „Wann jemand geboren wurde, hat niemanden interessiert, das wurde nicht gefeiert. Im Gegensatz zum Jahrestag der Taufe, denn die Leute waren damals alle sehr katholisch.“

Etwas zu kurz kam auf der Vorlesung das Thema Freizeitgestaltung. Hierzu zeigte die Dekanin den Kindern ein Bild, auf dem zu erkennen war, dass die Protagonisten sich versteckten oder Ball spielten. Die anschließende Vorlesung, die nach einer kurzen Pause stattfand, beschäftigte sich mit Sport im Mittelalter. Auf Fragebögen wurden die Eindrücke der Kinder evaluiert, damit sie durch die Organisatoren ausgewertet werden können.

VON TOBIAS HENKE

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