SUV-Lenkerin im Fokus der Ermittler

Kind angefahren und getürmt: Polizei Stendal sucht nach einer Frau mittleren Alters

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Der Zebrastreifen auf der Frommhagenstraße. Ein Kind ist dort verletzt worden.

Stendal – Im Fall des angefahrenen Sechsjährigen geht die Polizei in Stendal engagiert jeder Spur nach. Erste Aussagen von Zeugen, die sich am Montag in unmittelbarer Nähe befanden, sind ausgewertet.

Demnach soll eine Frau am Steuer des Unfallwagens gesessen haben, eventuell um die 50 Jahre alt, Kurzhaarfrisur.

Die Ermittler suchen nach einem blauen, hohen Pkw. Womöglich handelt es sich um einen SUV und bei der Marke vielleicht um einen Dacia Duster. Trotz der offenen Fragen zeigt sich Polizeisprecher Dirk Marscheider auf AZ-Nachfrage durchaus zuversichtlich, dass der Verkehrsunfall in der Bahnhofsvorstadt genauer rekonstruiert und die Schuldfrage geklärt werden kann.

Der Junge hatte wahrscheinlich noch Glück im Unglück. Er wurde nur leicht verletzt und kam ins Krankenhaus. Der Morgen stellt sich der Polizei bislang so dar: Kurz vor 8 Uhr waren Vater und Sohn zum Zebrastreifen auf der Frommhagenstraße gegangen. Als beide den Fußgängerweg nahe der Prinzenstraße überquerten, lief der Sechsjährige voraus. Aus Richtung Moltkestraße näherte sich ein Pkw, hielt nicht an und erfasste das Kind, das an den rechten Fahrbahnrand geschleudert wurde und in einem Gebüsch liegen blieb. Wer auch immer den Wagen fuhr, sie oder er scherte sich nicht weiter um den Jungen und machte sich einfach aus dem Staub. Die Stendaler Polizei ermittelt wegen Unfallflucht.

Ein Unfallflüchtiger muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. „Hinzu kommen strafrechtliche Nebenfolgen wie der Führerscheinentzug und natürlich Schadensersatzansprüche.“ Polizeisprecher Marscheider hat für die AZ auch in die Statistik für den Landkreis Stendal geschaut. 2015 wurden 623 Verkehrsunfallfluchten registriert, 2016 waren es 602, im Jahr darauf 559 und 2018 unterm Strich 570. „Die Aufklärungsquoten liegen im Schnitt bei etwa 25 Prozent.“ Das heißt: Jeder vierte Flüchtige kann ermittelt werden oder meldet sich im Nachhinein noch selbst. Die Zahlen für dieses Jahr werden im April, Mai 2020 in Stendal veröffentlicht.

Unfallfluchten im ruhenden Verkehr wie die sogenannten Parkplatzrempler seien weit schwerer aufzuklären als die im fließenden Verkehr, meint Marscheider. In letztgenannten Fällen gebe es unmittelbare Unfallbeteiligte und oftmals Dritte, die etwas beobachtet haben und wertvolle Informationen liefen können. Am Montagmorgen war der Vater des Jungen zugegen, Fahrer im Gegenverkehr wurden auf den Unfall aufmerksam, Fußgänger waren unterwegs. Die Ermittlungen laufen, alle Aussagen müssen detaillierter betrachtet werden. Die Polizei bittet mögliche weitere Zeugen des Unfalls, sich im Stendaler Revier zu melden unter Tel. (03931) 6850 oder in jeder weiteren Dienststelle.

VON MARCO HERTZFELD 

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